Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

Die toskanische Stadt Capannori ist zum Paradebeispiel für Zero Waste – null Abfall – geworden. Mit Kompostierung, Recycling und dem Verzicht auf Verpackungen wagen die Bewohnerinnen und Bewohner eine Revolution gegen die Müllberge. 

von Naldo Tanner 

Rossano Ercolini ist Gründer des Forschungszentrums Zero Waste, ein 66-jähriger Lehrer und seit seiner Schulzeit Umweltaktivist. Im Jahr 2007 schlug er dem damaligen Stadtpräsidenten von Capannori Massnahmen vor, die darauf abzielten, die Abfallproduktion gegen null zu reduzieren. Die 47 000 Einwohner zählende Stadt in der Provinz Lucca wurde so zur ersten Stadt Italiens mit einem Zero-Waste-Projekt. Heute gibt es 330 Gemeinden in ganz Italien und mehr als sieben Millionen Menschen, die sich von der Zero-Waste-Philosophie inspirieren lassen. In Capannori haben die Vision und das Engagement von Rossano Ercolini 1996 das Projekt zum Bau einer Müllverbrennungsanlage blockiert und zu hochwertiger Hauskompostierung sowie Waste-Catcher-Teams geführt. Seit 2011 gibt es das Forschungszentrum Zero Waste, das Schnittstellen zu Unternehmen, Schulen, Experten und neuen Projekten hat. Ein internationales Modell, das erfolgreich in die San Francisco Bay Area, einige Bezirke von Paris und bis nach Kiel in Deutschland exportiert wurde. In Capannori hat es neben dem Recycling zu einer Verringerung des Restmüllaufkommens um 55 Prozent und 100 Tonnen wiederverwendbaren Gegenständen pro Jahr geführt.  

Ercolini, der 2013 mit dem Goldman-Umweltpreis, dem alternativen Nobelpreis für die Umwelt, ausgezeichnet wurde und bei dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zu Gast war, ist heute Direktor des Forschungszentrums. Er betont, dass die Natur keinen Abfall produziere. Es gelte deshalb, Abfälle nicht zu vermischen. Papier, Metalle, Glas, Kunststoffe, Polymere und organische Stoffe, also die Materialien, die in der Kreislaufwirtschaft zu einer wirtschaftlichen Priorität geworden sind, müssen getrennt entsorgt werden. Das ist der Kernpunkt des Programms, das aber auch Reparatur- und Wiederverwendungszentren beinhaltet. Mit therapeutischer oder beruflicher Eingliederung, auch für Migranten, werden in der Genossenschaft Nanina Objekte repariert und wieder verkauft. Anreize zu Zero Waste werden mit Abgabenermässigungen und Steuererleichterungen gesetzt. 

Share This