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Knapp 100 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus den Deutschschweizer Bistümern waren am 3. November 2021 in der Paulusakademie Zürich zur Tagung «Synodalität – Solidarität – Partizipation» zusammengekommen. Der Anlass wurde vom Pastoralinstitut der Theologischen Hochschule Chur in Kooperation mit dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) St. Gallen und der Konferenz der Pastoralamtsleitenden (PAL) durchgeführt und hatte sich zum Ziel gesetzt, einen inhaltlichen Impuls zur Weiterentwicklung des Synodalen Prozesses in der Schweizer Kirche zu geben. Das ist ihm nach der Aussage vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchaus gelungen.

Als Leitsatz, der sich wie ein roter Faden durch die Jahrestagung des Pastoralinstituts zog, zitierte Stefan Arnold, Leiter der Behindertenseelsorge im Kanton Zürich, in seinem Video-Statement das Motto «Nichts über uns ohne uns». Den Entstehungskontext dieses Satzes erklärte er so: Als er bei der Behindertenseelsorge angefangen habe, sei ihm dieser Satz als ein wichtiges Prinzip begegnet, das schnell zum Grundsatz seiner seelsorglichen Arbeit geworden sei: Immer wenn über Menschen mit Behinderung gesprochen werde, sei es zwingend, dass sie selber dabei sind, mitentscheiden und damit partizipieren.

Der so einfach klingende Satz von Stefan Arnold hat es in sich: Wenn die Katholische Kirche in der Schweiz Vertrauen zurückgewinnen und ihre Glaubwürdigkeit behalten will, um auch in Zukunft eine Rolle als prägende gesellschaftliche Kraft des 21. Jahrhunderts zu spielen, dann ist sie gut beraten, Strukturen der Partizipation einzuführen, die eine wirkliche Mitsprache aller in allem ermöglichen. An der Tagung fiel diesbezüglich eine Spannung auf, die der Theologe und Jugendarbeiter Claude Bachmann so auf den Punkt brachte: Einerseits wecke der von Papst Franziskus weltweit initiierte Synodale Prozess Hoffnungen dahingehend, dass die heissen Eisen nicht nur diskutiert, sondern endlich Reformen folgen würden. Andererseits sei bereits jetzt eine Frustration auszumachen, dass sich so oder so nichts ändern werde.

Auch eine andere Jugendseelsorgerin meinte, sie glaube nicht mehr an den Erfolg eines Synodalen Prozesses, schliesslich würden die vom II. Vatikanischen Konzil angekündigten Reformen bis heute auf sich warten lassen. Da hat sie recht, denn nach dem Konzil war durch den Tod des Reformpapstes Paul VI. ein kirchenpolitischer Stillstand eingetreten, der viele Reformen verhindert hat. Der Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg formuliert: «Seit 1978 setzte unter Papst Johannes Paul II. das Bestreben ein, die Dynamik der postkonziliaren Problemthemen im Diskurs ganz einzufangen und stillzustellen – und zwar mit einigem Erfolg, denn nur so lässt sich erklären, dass die Agenden von 1970 denen von 2020 so ausserordentlich ähnlich sind, als habe man sie damals schockgefrostet […].» Es gibt also viel zu tun für den jetzt neu angestossenen Synodalen Prozess in der Schweiz. Aber 50 Jahre später bin ich nicht ohne Hoffnung, dass am Ende nicht nur eine Schönwetter-Synodalität die Kirchenpolitik bestimmt, sondern tatsächlich ein neues Tauwetter heraufzieht, ganz nach dem Motto «Nichts über uns ohne uns».

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