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Manchmal wünschen wir uns, mit einem Menschen, den wir schon lange etwas fragen wollten, am gleichen Tisch zu sitzen. Um ungezwungen mit ihm ins Gespräch zu kommen! Das versuchten wir kürzlich in unserer Klostergemeinschaft. Anlass dazu waren die 800 Jahre, die seit dem Tod unseres Ordensgründers Dominikus vergangen sind. Er starb 1221 in Bologna. 

 Was könnte der heilige Dominikus uns heute sagen wollen? Er war doch ein Mensch des Mittelalters! Ein Mann! Und was würde ich ihm gerne sagen? Oder ihn fragen? Wir wissen aus der Geschichte, dass er nicht nur den Brüdern, sondern auch den Schwestern des Ordens sehr zugetan war. Dominikus als Zeitgenosse mit mir am Tisch?  

Wir stellten uns dem Experiment. Zu Hilfe kam uns dabei ein Bild* aus dem 13. Jahrhundert, auf welchem der Heilige abgebildet ist, am Tisch sitzend in einer Reihe mit einer beachtlichen Anzahl seiner Mitbrüder, alle auf gleicher Augenhöhe. Jede Schwester nahm sich Zeit, notierte ein paar Gedanken oder Fragen. Dann wurden die Notizen eingesammelt, thematisch geordnet, aufgelistet und allen zugänglich gemacht. Was hatten wir da nicht alles gesehen!

Ein Bild brüderlicher Gemeinsamkeit und Harmonie, alle Brüder in die gleiche Richtung blickend, das gemeinsame Ziel im Auge behaltend. Auf dem langen Tisch vor jedem Bruder Brot, Schale, Kelch und Krug. Hier wird Eucharistie gefeiert. Unsichtbar ist Christus unter ihnen. Wie schön, ein solches Bild betrachten zu dürfen!  

 Doch nun kommen die Fragen:  

Dominikus, wo sind die Schwestern, denen du so zugetan warst? Jahrelang bliebst du allein, Ausschau haltend nach gleichgesinnten Brüdern. Stattdessen kamen erste Frauen. Sie hatten dich und dein Anliegen verstanden. Warum durften sie bei diesem «Foto-Shooting» nicht dabei sein?   

Dominikus, als mein Zeitgenosse im 21. Jahrhundert, schmerzt es dich, dass wir Schwestern bis heute in der Rolle der andächtig Zuschauenden mit euch Brüdern Eucharistie feiern? 

Dominikus, du hast die Zeichen deiner Zeit erkannt und hast dich den Herausforderungen gestellt. Gewiss erwartest du dasselbe von uns heute. Du bist zu deiner Zeit immer ein Mann der Kirche geblieben. Trotz allem, was dich damals zum Weinen gebracht hat: religiöse Unwissenheit der Menschen, Missstände in der Kirche. Hoffentlich haben wir Frauen in deinem Orden hinreichend Mut, Ausdauer und Geduld, in deinem Sinne in dieser Kirche Veränderungen einzufordern.  

Unsere Bitte: Setz dich immer wieder als Bruder zu uns an den Tisch – auf gleicher Augenhöhe mit uns Schwestern. 

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