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An dieses Telefonat im Sommer 2017 erinnere ich mich noch gut. Der Leiter einer Behinderteneinrichtung des Kantons Zug war am Apparat. Wir hätten im Lassalle-Haus doch grosse Grünflächen zur Verfügung. Ob sich da nicht etwas machen lasse … Intuitiv ging ich in Habachtstellung. Unser Haus hatte erst ein Jahr zuvor eine aufwendige Generalsanierung abgeschlossen und befand sich nun in einer kritischen Konsolidierungsphase. Vor diesem Hintergrund war ich gegenüber zusätzlichen Projekten mehr als skeptisch. Doch habe ich von einem weisen Jesuitenpater gelernt, Anfragen nie schroff abzulehnen und sie zunächst einmal zu bedenken. Und dann gibt es den berühmten Rat von Ignatius, immer zunächst zu versuchen, «die Aussage des anderen zu retten, als sie zu verurteilen». Von einer Win-win-Situation sprach mein Gegenüber. Gerne würden sie die Grünflächen bebauen, mit Gemüse, Salat und Blumen. Vielleicht hätte ja auch unsere Küche Interesse? Der Samen des spannenden Projektes war gesät.   

Vier Jahre später, im Mai 2021. Tomatensetzlingstag in Bad Schönbrunn. Zahllose Hobby-Gärtnerinnen tummeln sich um die Beete und Verkaufsstände. Stolz präsentieren die Freunde der Zuwebe (Zuger Werkstätten für Behinderte) bis zu 20 verschiedene Tomatensorten. Die Menü-Karte der nun stark vegetarisch ausgerichteten Lassalle-Haus-Küche weist Produkte aus eigenem Anbau aus. 18 geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen konnten eingerichtet werden. Die fleissigen Hände der Zuwebe bewirtschaften 1,5 Hektar der Felder von Bad Schönbrunn und kümmern sich auch um unseren Park. Der Betrieb ist mittlerweile Bio-zertifiziert. Die gute Saat ist aufgegangen. Unser Alltag bietet mehr Potenzial für eine sozial-ökologische Wende, als wir oft meinen.   

Auf solche kleinen, aber praktischen Schritte in Richtung einer sozial-ökologischen Transformation verweist eine Studie, die Experten im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz im Frühling dieses Jahres vorgestellt haben. Sie zeigt auf, dass dieser Wandel keineswegs eine unerreichbare Utopie ist, sondern eine realistische Zukunftsoption sein kann. Mit dem Fokus auf eine Energiewende, eine Konsum- und Mobilitätswende sowie eine Agrarwende werden zentrale Handlungsfelder identifiziert. Eine positive Zielperspektive kann motivierende Kräfte entfalten. Ziel ist, dass alle Menschen jetzt und auch zukünftig unter Wahrung der planetarischen Grenzen gut leben können. Dazu müssen Grundbedürfnisse angemessen befriedigt werden können. Menschen brauchen faire Handlungsspielräume, Beteiligungschancen und Entscheidungsprozesse, die gerecht und inklusiv sind. Bei geeigneten Strukturreformen kann dies ohne grosse Einschränkungen von Lebensqualität und Wohlfahrtseinbussen möglich sein. Vielleicht ist die Einladung von Ignatius gerade in diesen Diskussionen relevant, dass wir nicht an unseren Bedenken klammern, sondern mit den anderen zusammen prüfen, wie unser Leben gemeinsam zukunftsfähig sein kann.  

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