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Nun hiess es wieder, die Uhren eine Stunde zurückzustellen! Die Stunde, die uns im Frühjahr die Sommerzeit geraubt hat, wurde uns am letzten Oktoberwochenende wieder geschenkt. Geschenkte Zeit!

Unser Leben ist in die eigenartige Spannung zwischen Langeweile und Stress gestellt. Beide Extreme verhindern, dass wir unsere Zeit sinnvoll ausfüllen. Und ausserdem: Machen wir etwas mit der Zeit oder macht die Zeit etwas mit uns?

Die Alten haben unterschieden zwischen «Chronos» (Ablauf der Zeit) und «Kairos» (der richtige Zeitpunkt). Während das eine schicksalhaft ist, bietet das andere die Gelegenheit, einzugreifen, zuzugreifen. Auch dies ist ein Spannungsbogen in unserem Leben: Ohnmacht und Macht, Passivität und Aktivität, Gewöhnung und Kreativität.

Es gibt Zeitpunkte, Momente in unserem Leben, die sind so schön, so gelungen, dass wir uns wünschten, sie blieben für immer. Und obwohl wir keine Ahnung von der Ewigkeit haben können, weil unser Dasein nur in Raum, Zeit und Materie erlebbar ist, öffnet uns die eigene Erfahrung ein Tor zu einer ganz anderen Wirklichkeit. Man nennt es die Erfahrung der Transzendenz (das Überschreiten der irdischen Grenzen, das Überschreiten von Raum, Zeit und Materie).

Wer schuf denn die Zeit? Nichts kann aus sich selbst heraus entstehen! Es muss logischerweise eine transzendente Kraft geben, die vor der Zeit ist, ihr nicht unterworfen ist und also auch nach der vergänglichen Zeit sein wird.

Um diese Kraft weiss der Mensch, der nichts für selbstverständlich nehmen sollte, und er nennt sie Gott. Die Botschaft unseres christlichen Glaubens lautet: Der ewige Gott kam in Raum und Zeit zu uns Menschen und wurde selbst ein Mensch. Von diesem Menschen aber berichtet der Evangelist Markus das erste Wort seiner Frohbotschaft. Es lautet: «Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe!» (Mk 1, 15).

Von Antoine de Saint Exupéry wird der Satz überliefert: «Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht, sondern als etwas, das uns vollendet.» Wenn die Vollendung das Ziel der Zeit ist, dann sind wir dankbar in guten Zeiten und tapfer in den schlechten.

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