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Die katholische Kirche habe keine Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. So die Antwort der vatikanischen Glaubenskongregation auf eine Anfrage. Sie löste Befremden aus und führt zu grundsätzlichen Fragen. 

von Anton Ladner

Die Glaubenskongregation im Vatikan hat einen klaren Grund für ihre Antwort. Die Verbindungen von homosexuellen Paaren würden nicht dem göttlichen Willen entsprechen. Deshalb könnten sie nicht gesegnet werden. Auf zwei Seiten wird die Antwort begründet, dass die Segnung «im Dienste der Pläne Gottes» stehe. Deshalb sei es «nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis ausserhalb der Ehe (das heisst ausserhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau)» einschliessen, so die Glaubenskongregation. 

Die geliebten Kinder Gottes
Der Schweizerische Katholische Frauenbund reagierte umgehend mit einer unmissverständlichen Stellungnahme: «
Mit dem jüngsten Entscheid, homosexuellen Paaren auch weiterhin den Segen zu verweigern, hat sich die katholische Kirche gegen die Liebe und für die Ausgrenzung entschieden.» Präsidentin Simone Curau-Aepli wird noch deutlicher: «Es ist unsäglich, dass liebenden Menschen der Segen verwehrt wird. Es ist unsäglich, dass die Liebe gleichgeschlechtlicher Menschen auf diese Weise delegitimiert wird Mit dieser Antwort werde die Botschaft vermittelt, Homosexuelle hätten nicht den Schutz Gottes verdient, schreibt der Frauenbund, dem in 18 Kantonalverbänden 120 000 Mitglieder angehören.  

Das Bistum St. Gallen ruft derweil in Erinnerung, was Bischof Markus Büchel schon vor sechs Jahren gesagt hat. «Ich sehe es als Aufgabe der Kirche heute, mit den Menschen einen Weg zu gehen, auf dem sie ihre Sexualität als Geschenk Gottes in ihr Leben und in die Gestaltung ihrer Beziehungen integrieren können.» Franz Kreissel, Pastoralamtsleiter Bistum St. Gallen, sagt zur Antwort aus Rom: «Mit ihrem Schreiben macht sich die Glaubenskongregation zur Kontrolleurin darüber, wen Gottes Segen erreichen darf oder eben nicht – und das ist unangemessen und falsch, denn die Kirche ist nicht die Wächterin über den Segen Gottes.» Klare Worte, die an die Stellungnahme von Bischof Markus Büchel von 2015 anknüpfen. «Freuen wir uns an jeder Beziehung, in der sich die Partner als gleichwertige, wertvolle, geliebte Kinder Gottes annehmen, die Würde des anderen achten und das Wohl der Personen befördern!» Die Kirche habe den Auftrag, den Segen Gottes zu spenden und den Menschen zuzusagen – nicht aus eigenem Vermögen, sondern als Vermittlerin, so Kreissel. «Deshalb darf die Kirche niemanden vom Segen ausschliessen.»   

Auch in Deutschland ist die Antwort aus dem Vatikan auf Unverständnis gestossen. In einem Brief an alle Pfarreien im Bistum Essen hat sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck für eine «ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität» durch die katholische Kirche ausgesprochen. Die kirchliche Lehre verlange «dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität», so Overbeck. Die Erklärung der Glaubenskongregation habe viele Menschen mit einer homosexuellen Orientierung gekränkt und verletzt. Eine solche Position werde in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptiert. Derweil hat eine Gruppe von mehr als 300 Priestern in Österreich angekündigt, weiterhin gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Die Priester schrieben: «Wir protestieren vehement dagegen, dass gleichgeschlechtlich liebenden Paaren unterstellt wird, nicht Teil des göttlichen Plans zu sein.»  

Es werden Privatjets, Luxusjachten, Ferraris und Supervillen mit Swimmingpools von Priestern gesegnet. Bisher sind keine Bedenken aufgekommen, ob so viel Haben in Anbetracht des Hungers auf der Welt dem göttlichen Willen entspricht. Es bestehen auch keine Skrupel, für solchen Luxus den göttlichen Schutz zu erbitten. Fazit: Die Glaubenskongregation hat mit ihrer engherzigen und schöpfungsfremden Antwort eine Frage abgehakt und dadurch eine Lawine von Fragen ausgelöst. 

Gottes Wille
Was ist Gottes Wille? Warum geschieht so viel Übel auf der Welt, wenn Gott die Menschen doch liebt? Was Gott konkret will, wissen wir nicht, weil trotz der Gottesebenbildlichkeit des Menschen Gott das grosse Unfassbare bleibt. Diese Gewissheit ist eine Säule der katholischen Kirche. Dennoch meinen Menschen, die im Vatikan hohe Ämter bekleiden, zu wissen, was konkret dem göttlichen Willen entspricht. Irgendwie steht das im Widersprich zum Apostolischen Glaubensbekenntnis: «Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde (…).» Hier unten will man also wissen, was dem Willen des Schöpfers des Himmels und der Erde entspricht. 

Wenn es um die Homosexualität geht, kann man es sich ganz einfach machen. Sie ist kein Willensentscheid, sondern eine Variante der Natur, der Schöpfung Gottes. Deshalb kommt sie auch reichlich im Tierreich vor. Bei Schnecken ist sogar vor jeder Paarung die Frage der Rolle – ob als Männchen oder Weibchen – offen. Die Schöpfung ist eben viel grösser als die menschliche Vorstellungskraft. Das gilt es einfach zu akzeptieren. Die derzeitige Pandemie führt das vor Augen. Ein Coronavirus ohne Gehirn schafft es, sich immer wieder zu verändern, um sein Ziel zu erreichen, nämlich alle Menschen auf der Erde zu infizieren. Das ist seit gut einem Jahr «der Plan», deshalb kommt es zu den gefährlicheren Mutationen. Da kann man sich nur vor der Natur tief und demütig verneigen, weil sie alles übersteigt, was sich der Mensch vorstellen kann.    

Der Wille Gottes sprengt alles Menschliche. Deshalb gilt es, sich als Mensch an Jesus zu orientieren, an dem Mensch gewordenen Gottessohn. Und da kann man es sich auch ganz einfach machen. Jesus hat sich permanent mit den Theologen angelegt, die genau zu wissen meinten, was Gott ist und will. Und er hat sich den Menschen angenommen, die bei ihm Hilfe, Trost, Zuversicht, Kraft suchten. In den Worten des Bistums St. Gallen gab es damals auch bei Jesus keine Türkontrolle, wie aus der heiligen Schrift hervorgeht. Wer Jesus folgte, hatte sein Wohlwollen. Nicht was Gott will, ist die Frage, sondern wie Jesus gehandelt hat. Und das ist die schönste Seite des Glaubens. 

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