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Erwachsene und Eltern brauchen eine religiöse Bildung. Das ist die Voraussetzung, damit Kinder und Jugendliche ihren Glaubensweg finden. Deshalb darf die religiöse Bildung nicht bei den früheren Katechismussätzen stehenbleiben. Erwachsene brauchen heute auch in religiösen Fragen einen mündigen und sprachfähigen Glauben.  

von Stephan Leimgruber 

Unübersehbar leben wir in einer sich rasch entwickelnden und sich verändernden Gesellschaft. Die Medien und der Zugang zur digitalen Welt beschleunigen den rasanten Wandel. So sind wir herausgefordert, zur Kenntnis zu nehmen, dass lebenslanges Lernen unabdingbar ist. 

Um sich in Fragen des Glaubens weiterzubilden, sind in den 1950er- und 1960er-Jahren die Theologie und Glaubenskurse in der Schweiz aufgekommen. Sie wurden von Wien und Kanada übernommen und auf unsere Verhältnisse angepasst. Es entstand ein vierjähriger Theologiekurs, der bis heute vom Institut für Theologisch-Praktische Bildung (TBI) in Zürich wahrgenommen wird. Dazu gab es als Vorbereitung «Glaubenskurse» für alle, die regional durchgeführt wurden und in einigen Städten ein starkes Echo findenfanden. 1966 wurde in Luzern das Katechetische Institut (heute Religionspädagogisches Institut) und im französischsprachigen Raum der Schweiz in Fribourg eine «École de la foi» gegründet. Beides führt zu anerkannten Diensten der Katechese und des Religionsunterrichts in der Schweizer Kirche. Für eine wissenschaftliche universitäre Ausbildung verfügt die katholische Schweiz über vier Theologische Fakultäten (Fribourg, Luzern, Chur und Lugano), die in Kooperation mit den Ordinariaten für die Ausbildung und Fortbildung der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger zuständig sind. (Reformierterseits gibt es fünf Theologische Fakultäten: in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf.) Eine vermehrt spirituelle Bildung zielen das Zentrum für Spiritualität in Zürich, das Institut der heiligen Thérèse von Lisieux in Basel und bald das Reusshaus in Luzern an. In diesen Institutionen gibt es noch freie Plätze, teilweise auch Möglichkeiten zum Fernstudium mit Onlinelektionen. Neben dieser systematischen Weiterbildung in Fragen des Glaubens gibt es eine ganze Palette von Lernchancen, die allen zugänglich sind in den Pfarreien und Seelsorgeregionen und die einen mündigen Glauben befördern: Hier werden biblische, meditative und kreative Angebote gemacht. Nicht zu vergessen ist religiöse Bildung durch Pilgerreisen. 

«Verstehst du auch, was du liest?» (Apg 8,30)
In der Apostelgeschichte fragte bereits Philippus den äthiopischen Kämmerer, ob er denn auf seiner Reise in einem Wagen auch verstehe, was er von dem Propheten Jesaja lese. Denn er brauchte eine Anleitung, um den prophetischen Text aus der Bibel zu verstehen. Wenn die Lesungstexte vorbereitet oder nachbereitet werden, erbringen sie einen geistlichen Gewinn, der für die Woche Proviant bietet.  

Hinzu kommen unzählige Kursmöglichkeiten zur Bibel in den Pfarreien, Pastoralräumen, Seniorenakademien und in den Bildungshäusern. Es gibt Bibel-Teilen, was ein besinnliches Gruppengespräch über einen bestimmten biblischen Text meint. Die Lumkomethode strukturiert den Austausch in sieben Schritten und vermittelt ein tieferes Bibelverständnis. Bibliodrama versucht die Teilnehmenden in den Text zu involvieren, sich einzufühlen in die im Text beteiligten Personen, was ein anschliessendes kreatives Nachspielen etwa eines Gleichnisses ermöglicht. Ein Bibliolog versucht eine eher gedankliche Auseinandersetzung mit dem Text in einer Gruppe. In einer persönlichen Schriftmeditation stellt sich die einzelne Person dem Text gegenüber, verharrt in Stille und versucht die Grundaussagen herauszuhören und für das eigene Leben zu bedenken. Auf verschiedenen Wegen kann also die Heilige Schrift kennengelernt und das bereits Bekannte vertieft werden, wobei sich klassische Exegese und geistliche Meditation gegenseitig ergänzen und befruchten. Die Tatsache, dass viele Musliminnen und Muslime im Monat Ramadan ihren Koran einmal ganz durchlesen, kann Christinnen und Christen eine Ermunterung sein, auch ihre Heilige Schrift ernst zu nehmen und sich immer wieder auf sie einzulassen. 

Religiöse Bildung durch Pilgerreisen
Religiöse Bildung kann für Erwachsene auch durch Biblische Reisen geschehen. Noch immer bieten viele Pfarreien, Pastoralräume und Ordensgemeinschaften Reisen ins Heilige Land an. Auf den Spuren des Apostels Paulus werden Griechenland, die Türkei und Nordafrika erkundet. Reisen versetzen zurück in biblische Zeiten und helfen, die Ursprünge und Anfänge des Glaubens freizulegen. Immer wieder gibt es Bezüge zu Athen, wo die Rede Pauli auf dem Areopag stattgefunden hat, zu Rom, wo die ersten Apostel den Tod erlitten, und zu Kreta und Malta, wo der Völkerapostel Spuren hinterlassen hat. Reisen bildet! Und wer eine Reise tut, hat was zu erzählen. Gewiss, in Coronazeiten ist es mühselig geworden, weshalb viele die Umtriebe mit möglichen Quarantänen scheuen. Aber Reisen erweitert den Horizont und stiftet Gemeinschaft. 

Religiöse Bildung durch Besuche von Ausstellungen, Konzerten, Theatern und Filmen
Gewiss ist Bildung oft mit Sprache und Schrift verbunden, mit Lesen und Vorträgen. Aber es gibt weitere gewinnbringende Angebote, die nachdenklich machen und zu einem neuen Sehen motivieren. Die Schweiz und viele Länder organisieren Ausstellungen zu allgemein menschlichen, künstlerischen, geschichtlichen und religiösen Fragen. In Ausstellungen werden die Besuchenden betroffen gemacht, um selbst aktiv zu lernen und die Museumsdidaktik auszunutzen. Es geht hier um ein neues Sehen und Begreifen der Exponate und letztlich seiner selbst. Konzerte, Kinos und Theater vermitteln über den Wert der Bildung hinaus «Erlebnisse», die nachhaltig wirken und sich ins Gedächtnis eintragen. Chur beispielsweise verfügt über ein Diözesanmuseum, das geschichtliche Dokumente aus der eigenen Diözese zeigt. 

Bildung durch kreative Angebote
Schliesslich soll angesprochen werden, dass es zunehmend Mal- und Schreibkurse gibt, welche die persönliche Aktivität der Teilnehmenden in Schwung bringen und aus gewöhnlicher Kreativität eindrückliche Zeugnisse entstehen, die Wirkung zeigen. Schreibwerkstätten bieten die Gelegenheit, eigene Gedichte zu verfassen. Das Erzählen ist eine Gabe, die geübt sein will. Sehr eindrücklich sind auch Kurse für Ikonenmalerei, die in einem besinnlichen religiösen Kontext stattfinden und dazu anleiten, eine Ikone selbst zu malen, anfänglich mithilfe von Vorlagen. Auch Singen und Musizieren gehören in die kreative Bildung im religiösen Bereich. 

Fazit: Religiöse Bildung kann suchende und fragende Menschen stärken und voranbringen, die Lebenskompetenz erweitern und zu einem mündigeren freiheitlicheren Leben und Glauben führen. Es ist wichtig, selbst aktiv zu bleiben und dem Leben ins Gesicht zu schauen. Nicht Rückzug ins eigene Kämmerlein tut not, selbst wenn es für Gebet und Meditation nötig ist, sondern das Sich-Aufmachen. Letztlich werden die Teilnehmenden durch religiöse Bildung beschenkt.

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