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Peter Rutz ist Regionalvikar des Opus Dei in der Schweiz mit Sitz in Zürich und zuständig für die Opus-Dei-Mitglieder in der Schweiz. Er ist Priester mit Monsignore-Titel, Mathematiker und Philosoph. Im Interview erklärt Peter Rutz, was es für ihn und den Opus Dei Schweiz bedeutet, mit Joseph Bonnemain im Bistum Chur jetzt einen Bischof aus den eigenen Reihen zu haben.

von Anton Ladner

 

Peter Rutz, waren Sie überrascht, dass nach all den Wirren um die Bischofswahl im Bistum Chur Papst Franziskus Joseph Bonnemain zum neuen Bischof bestimmt hat?

Ja, ich war sehr überrascht. Erstens, dass überhaupt ein Opus-Dei-Mann Bischof wird, und zweitens, dass ein Kandidat der Dreierliste, die von den Domherren abgelehnt worden war, dennoch vom Papst zum Bischof bestimmt wurde.

 

Was bedeutet das für Sie als Regionalvikar des Schweizer Opus Dei, jetzt einen Bischof in der Schweiz aus den eigenen Reihen zu haben?

Meine Gefühle sind zwiespältig. Einerseits ist es eine Freude, denn Joseph Bonnemain hat sich stark und vermittelnd für das Bistum engagiert. Das kann er nun als Bischof noch wirksamer weiterführen. Aber andererseits ist es auch eine Last. Er ist 72 Jahre alt und mit vielen, tief sitzenden Problemen im Bistum konfrontiert. Immerhin bringt er viele Fähigkeiten für dieses Amt mit.

 

Sind Sie als Regionalvikar des Schweizer Opus Dei, dem Bischof Bonnemain angehört, weiterhin eine Art Vorgesetzter von ihm?

Wenn ein Mitglied des Opus Dei Priester wird, dann wird es in dieser Prälatur „inkardiniert“, wie man sagt. So war es auch bei Joseph Maria Bonnemain, und insofern war ich sein „Vorgesetzter“, jedoch nur für sein Wirken im Rahmen der Arbeit des Opus Dei. Was seine Bistumsaufgaben betraf, war er schon immer ausschliesslich dem Bischof gegenüber verantwortlich. Jetzt, als Bischof von Chur, ist er nicht mehr Priester der Prälatur Opus Dei, sondern eben Bischof des Bistums Chur. Es ist ein bisschen wie wenn der Sohn einer Familie seine eigene Familie gründet: Er gehört weiterhin zu seiner Herkunftsfamilie, aber seine erste Aufgabe sind nun seine Frau und seine Kinder, und die entsprechenden Entscheidungen trifft er – zusammen mit seiner Frau – selbstständig.

 

Sind Sie als Regionalvikar der Spiritual der Opus-Dei-Priester in der Schweiz?

Man kann es so sagen. Jedoch geht meine Aufgabe bezüglich dieser zehn Priester darüber hinaus. Ich muss ihnen z.B. auch ihre Aufgaben zuweisen und ausserdem schauen, dass sie ein Auskommen haben. Ich selbst wiederum bin als Regionalvikar dem Prälaten unterstellt. Und bei meinen Aufgaben werde ich von zwei Räten unterstützt, einem für Männer und einem für Frauen.

 

Wie ist der Kontakt zu Ihrem Prälaten in Rom?

Die Regionalvikare sind sehr selbstständig, haben aber einen regen Briefaustausch mit dem Prälaten. Unsere weltweite Amtssprache ist Spanisch. Das wurde 1956 an einem Opus-Dei-Kongress in Einsiedeln auf Antrag der nicht spanischsprachigen Vertretungen beschlossen.

 

Sie sind Mathematiker, Philosoph, Theologe und Priester. Bischof Bonnemain ist Arzt, Theologe und Priester. Zeichnet diese Fülle von Wissen das Schweizer Opus Dei aus?

Alle Priester vom Opus Dei haben zuerst lange Jahre als Laien gewirkt und gearbeitet. Entsprechend haben sie einen zivilen Beruf erlernt und ausgeübt. Das hilft natürlich, die Mentalität der Berufsleute zu verstehen, und diesen gilt ja gerade das Interesse des Opus Dei. Ihnen will es ja zur Entfaltung ihres Lebens als Christ in ihrem angestammten Umfeld verhelfen. Übrigens gibt es heute auch viele andere Priester, die vorher als Laien ihren Lebensunterhalt verdient haben.

 

Wie hilft Ihnen Ihr Wissen im Priestersein in Ihrem Glauben?

Mir hilft die Theologie in der Seelsorge, die Mathematik und Philosophie derweil für die Art und Weise, die Sachen zu sehen. Als Mathematiker betrachtet man Probleme eher analytisch. Als Philosoph gebe ich mich nicht mit irgendeiner Antwort zufrieden, sondern versuche, der Sache auf den Grund zu gehen. Oft muss man aber Fragen stehen lassen, weil es keine letzte Antwort gibt. Und als Theologe hat man die Gewissheit, dass Jesus das Zentrum ist.

 

Wie kann Bischof Bonnemain von seinem Arztwissen als Bischof aus Ihrer Sicht profitieren?

Er hat ein Gespür, einen Sinn für das Heil des Menschen. Die ärztliche Sicht hat er immer noch sehr präsent. Das hat auch seine Spitalseelsorge während 30 Jahren am Limmattalspital geprägt. Er sagte immer, er gehe sich ins Spital ausruhen. Der Austausch mit den Patienten war seine Erholung, ein Ausgleich zu seiner administrativen Funktion als Gerichtsvikar des Diözesangerichts, die er allerdings immer mit seelsorgerlicher Einstellung ausgeübt hat. Typisch für Opus-Dei-Gläubige ist, dass sie beruflich gut arbeiten wollen. Das sieht man bei Bischof Bonnemain sehr deutlich: Er hat sich als Arzt, als Seelsorger, als Gerichtsvikar und als Sekretär des Fachgremiums für sexuelle Übergriffe und noch in anderen Funktionen während Jahrzehnten generös und kompetent eingesetzt.

 

Was wird sich nach Ihrer Meinung unter Bischof Bonnemain im Bistum Chur verändern?

Ich möchte keine Prophezeiungen machen, hoffe aber doch sehr, dass er die Polarisierungen zumindest entschärfen kann; dass man sich im Bistum wieder in die Augen schauen kann. Man kann durchaus verschiedener Meinung sein und dennoch in gegenseitiger Wertschätzung einen Dialog pflegen.

 

Das Opus Dei Schweiz hat ein Verfahren zur Selig- und Heiligsprechung von Toni Zweifel angestrengt, der in Zürich die karitative Limmat Stiftung gegründet hat. Zweifel war Ingenieur und ist 1989 mit nur 51 Jahren verstorben. Das wäre somit ein ganz moderner Heiliger.

Er wäre jedenfalls ein Heiliger aus unserer Zeit, einer, der seine christliche Leidenschaft mitten in einem sehr säkularen Umfeld auf anziehende Weise gelebt hat. Die Kirche braucht solche Vorbilder. Die Heiligen sind die wahren Interpreten der Bibel. Sie zeigen, wie die evangelische Botschaft realisiert wird. Das macht den Heiligen aus, die persönliche und lebendige Beziehung zu Gott. Eine hohe Persönlichkeit der ETH, an der Toni Zweifel studiert hatte, sagte einmal: Wir haben schon einige Nobelpreisträger, aber noch keinen Heiligen. Das wäre wirklich etwas Exklusives!

 

Denken Sie, dass Bischof Bonnemain den Prozess zur Selig- und Heiligsprechung begünstigen kann?

Nein, denn die diözesane Phase des Prozesses ist bereits abgeschlossen. Das Verfahren liegt nun in den Händen der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen. Der hiesige Bischof hat nichts mehr damit zu tun.

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