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Vor 800 Jahren, am 8. August 1221, starb der Heilige Dominikus. Er war einer der wichtigsten Ordensgründer der katholischen Kirche. Da die Orden immer wieder zur Reform und Erneuerung in Theologie und Kirche beigetragen haben, stellt sich die Frage, was unsere Kirche heute von den Orden, speziell vom Orden des Heiligen Dominikus, lernen kann.

Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass die ersten Gemeinschaften, die der Heilige Dominikus gründete, Frauengemeinschaften waren. Dominikus, der 1170 in Kastilien geboren wurde, kam in Kontakt mit der Bewegung der Katharer, die als religiöse Armutsbewegung in Südfrankreich und Nordspanien gegen das kirchliche Establishment antraten. Die später als Ketzer verurteilten Katharer verstanden es, in der Sprache des einfachen Volkes zu sprechen. Die Predigerinnen (!) und Prediger der Katharer hatten grossen Zulauf und überzeugten im Gegensatz zu den kirchlichen Autoritäten ihrer Zeit durch einfache Lebensweise. Der Klerus hatte dem nichts entgegenzusetzen, denn die Priester waren so ungebildet, dass die Kirche ihnen das Predigen gar nicht erst erlaubte. Nur Bischöfe waren befugt zu predigen. Doch sie hatten vielfach andere Interessen und kümmerten sich lieber um ihre Besitztümer als um gehaltvolle Predigten.

Dem Ideal der Katharer folgend, gründete Dominikus 1207 das erste dominikanische Frauenkloster in Fanjeaux, bevor die eigentliche Ordensgründung 1216 in Toulouse erfolgte. Berühmte Dominikaner waren Albertus Magnus und Thomas von Aquin, der als grösster Theologe und Philosoph des Mittelalters gilt. Dominikus starb 1221, fünf Jahre nach der Gründung, wahrscheinlich völlig ausgezehrt, im Alter von etwa 50 Jahren, in Bologna im Kreis der dort ansässigen Brüder. In der Dominikanerkirche in Bologna findet sich sein Grabmal.

2016 hielt die Ilanzer Dominikanerin Schwester Ingrid Grave OP den Festvortrag zum Dies academicus der Theologischen Hochschule Chur. Schwester Ingrid, die vielen als Moderatorin der «Sternstunden Religion» im Schweizer Fernsehen bekannt ist und auch in dieser Zeitschrift Glaubensimpulse publiziert, wies damals auf die starken Frauenfiguren des Dominikanerordens hin. Als herausragendes Beispiel strich sie das der schriftstellerisch tätigen Nonne Elsbeth Stagel heraus. Sie wurde 1300 in Zürich am Rindermarkt geboren, wo ihr Vater eine Metzgbank hatte. In ihre Kindheit fällt der Bau des gotischen Chores der Predigerkirche. Sie wird Nonne im Dominikanerinnenkloster Töss/Winterthur. Dort begegnet sie dem durchreisenden Dominikaner Heinrich Seuse aus Konstanz. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen, sie hilft ihm bei der deutschen Herausgabe seiner mystischen Niederschriften. Damit wird sie zur ersten Schriftstellerin der Schweiz in deutscher Sprache. Das weiss kaum jemand in Zürich.

Mit Recht fragte Schwester Ingrid Grave am Schluss ihres Vortrags: «Als Ilanzer Predigerschwester gehöre ich zu einer dominikanischen Kongregation. Doch wo bleibt die Predigt, die Frauenpredigt …?» Heute sei es mehr denn je aktuell, den Menschen das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Das müsse allerdings in Konzepten der Zeit geschehen, deshalb gelte es sich von der «eingeschliffenen Kirchensprache zu verabschieden». Nur eine Predigt, die etwas mit dem Leben der Menschen zu tun habe, sei glaubwürdig, so Grave. Und sie schliesst mit der Aufforderung, das zu tun, wozu uns ein Kirchenlied aufruft: «Sucht neue Worte, das Wort zu verkünden, neue Gedanken, es auszudenken, damit alle Menschen die Botschaft hör’n!» (KG Nr. 536 Str. 3). Wie recht sie doch hat.

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