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Spirituell, aber nicht religiös, so lautet für viele die Alternative zur Kirche. In den USA werden sie die Nones (Neinsager) genannt, die stark zugenommen haben.

von Terry Mattingly

Während der Arbeit an dem 1985 erschienenen Buch «Gewohnheiten des Herzes» traf der Soziologe Robert N. Bellah eine Frau namens Sheila, die ihren Glauben mit Worten beschrieb, die Forscher seither zitiert haben. «Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal in die Kirche gegangen bin», sagte sie. «Mein Glaube hat mich sehr weit getragen. Es ist Sheilaismus. Nur meine eigene kleine Stimme.» Das Ziel sei es, «sich selbst zu lieben und sanft mit sich selbst umzugehen … Ich denke, Gott würde wollen, dass wir uns umeinander kümmern.»

Ein Jahrzehnt später, in der sogenannten New Age-Ära, beschrieben Forscher einen ähnlichen Glaubensansatz: «spirituell, aber nicht religiös». Dann, im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, begann das Pew Research Center einen Anstieg der religiös nicht gebundenen Amerikaner zu verzeichnen und beschrieb diese Gruppe in einem Bericht von 2012 mit diesem neuartigen Etikett: «Nones». Sie machten 1996 laut Schätzungen etwa ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung aus, 2006 bereits 15 Prozent, 2014 waren es 20 Prozent und 2019 wurde ein Wert von 26 Prozent erhoben. Dieser Trend beschreibe ein wachsendes Phänomen im öffentlichen und privaten Leben, sagt der Politikwissenschaftler Ryan Burge von der Eastern Illinois University, Autor des neuen Buches «Die Neinsager: Woher sie kommen, wer sie sind und wohin sie gehen».

Die „Nichts-Bestimmtes“
Die Nones bestehen laut einer Studie aus dem Jahr 2018 aus Atheisten, aus Agnostikern und zu einem grossen Teil aus Menschen, die sich als «Nichts-Bestimmtes» erklären. Atheisten haben eine Gemeinschaft, ein Glaubenssystem. Sie sind sehr aktiv, wenn es um Politik und öffentliche Institutionen geht. In seinem Buch betont Burge, dass die «Nichts-Bestimmtes» heute eine der bildungsmässig und wirtschaftlich meist benachteiligten Gruppen in den Vereinigten Staaten seien. Dies ist auch ein wachsender Teil der Bevölkerung. Während die Protestanten mit 40 Prozent die grösste Gruppe in der US-Religionsvielfalt darstellen, ist die Gruppe der «Nichts-Bestimmtes» mit fast 20 Prozent inzwischen die zweitgrösste, gefolgt von den Katholiken mit 18 Prozent.

Viele Trends haben laut Autor Burge das Phänomen der Nones beeinflusst. Die meisten Themen, die sich mit den Neinsagern beschäftigen, würden sich jedoch auf die sichtbarsten Formen dieses Phänomens konzentrieren, so Burge. Es sei leicht, artikulierte, hoch motivierte Atheisten und Agnostiker in Online-Foren zu finden und zu zitieren. Aber die «Nichts-Bestimmtes» seien im Schatten geblieben und es sei schwer, klare Muster zu finden, die ihre Überzeugungen und Verhaltensweisen erklären könnten.

Zum Beispiel sind nicht alle «Nichts-Bestimmtes» Ungläubige im engeren Sinne. Einer von zehn besucht jährlich einen Gottesdienst und weitere zehn Prozent nehmen monatlich oder sogar öfters an einem teil. Und 25 Prozent sagen, dass Religion wichtig bis sehr wichtig sei. Nur 38,8 Prozent erklären die Religion als «überhaupt nicht wichtig» in ihrem Leben.

 

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