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Wenn mehr Energie ins Drandenken und Verschieben fliesst, als die Erledigung benötigt, stimmt etwas nicht. Aber viele beherrschen die Kunst nicht, einfach anzufangen. Das kann man lernen.

von Anna Kaiser

Besonders in Studentenkreisen ist Prokrastinieren durch den hohen Leistungsdruck eine weit verbreitete Angewohnheit. Wie die Freie Universität Berlin herausfand, geben ganze 75 Prozent aller Studierenden an, in Zusammenhang mit ihrem Stu­dium zu prokrastinieren. Irgendwie gehört es ja auch zum Studentenleben dazu, Aufgaben vor sich herzuschieben, aber nur bis zu einem gewissen Grad, denn dauerhaftes Aufschie­ben kann schnell problematisch werden und sich negativ auf die Gesundheit aus­wirken.

 

Durch ständiges Aufschieben von Dingen wird man leicht frustriert und bekommt das Gefühl, nicht genug leisten zu können. So entsteht die Grundlage, auf deren Basis sich Stress und Ängste entwickeln können. Aus anfänglichen Spannungen, innerer Unruhe und Unzufriedenheit können sich im schlimmsten Fall Depressio­nen entwickeln. In Kombination mit wenig Entspannung, Spass und Freizeit wird man schnell zum Workaholic, aber auch zum chronischen Prokrastinierer. Umso wichtiger ist es also, dass man weiss, was Prokrastination ist, woher sie kommt und wie man sie besiegen kann.

 

Wenn man Dinge auf morgen verschiebt, bedeutet dies nicht im selben Atemzug, dass man prokrastiniert

Oft hat man keine Zeit, gewisse Aufgaben sofort zu erle­digen. Doch wenn man bewusst etwas anderes macht als das, was man eigentlich machen sollte, spricht man von Prokrastination. Man schiebt eine unschöne Auf­gabe über einen längeren Zeitraum vor sich her. Das kann eine Hausarbeit oder ein schwieriges Gespräch sein. So hält man sich selber davon ab, Prioritäten zu setzen, voranzukommen und Ziele zu erreichen. Sich dieser Situation bewusst zu sein ver­schlimmert das Gefühl gegenüber der Aufgabe. Man schiebt sie weiter auf und hat ein schlechtes Gewissen.

 

Aufschieben ist menschlich! Wir Menschen sind bequem und neigen aufgrund unserer DNA zum Energiesparen und Faulsein. Eine Studie der Universität Aber­deen ergab, dass durch eine Genmutation ein Protein im Körper gebildet wird, das einen Mangel an Dopamin im Gehirn auslöst. Dopamin wird als Glückshormon bezeichnet und ist für die Produktivität und Motivation verantwort­lich. Zu wenig davon lässt zum Couch-Potato werden. Aber auf die DNA allein kann man die Schuld nicht schieben. Um die wahre Ursache für Prokrastination zu finden, muss man tiefer gehen. Der wahre Grund, warum man prokrastiniert: Man fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen und verbindet Angst oder Frustration damit. Ablenkung und Aufschieben sind einfacher, als sich mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen.

 

Die natürlichen Ängste sind es, die Prokrastination zum Schutzschild machen

Mit einer negativen Einstellung steigen auch der Druck und die Selbstzweifel. Das endet in Stress und Frust. Prokrastinieren hilft uns, vor diesem Stress oder den innerlichen Ängsten zu fliehen. Der grösste achtsame Schritt ist, sich dessen bewusst zu werden. Lernen zu akzeptieren, dass man nicht perfekt sein muss, befreit. Unterstützung zu holen und die Aufgaben aufzuteilen erleichtert enorm. Es hilft auch, in Portionen zu arbeiten, sich dann mit einer Pause oder einer geliebten Tätigkeit zu belohnen und erst dann weiterzuarbeiten. Letztlich geht es um eine wohlwollende Selbstorganisation.

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