Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Václav Havel war ein tschechischer Dramatiker, Essayist, Menschenrechtler und Politiker und während der Herrschaft der kommunistischen Partei einer der führenden Regimekritiker der Tschechoslowakei. Ein grosser Europäer. Immer wieder griff er zur Feder und beschwor die Freiheit. Er beschwor die Freiheit, derweil die Mächtigen seines Landes damit beschäftigt waren, den Menschen die Freiheit zu rauben und ihnen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen und zu denken hätten. Havel nennt das ein «Leben in der Lüge».

Leben in der Lüge ist für ihn, wo Menschen in ihrem Urteilsvermögen, in ihren Entscheidungen und Handlungen manipuliert werden. Wo sie – innerlich und äusserlich – nicht wirklich frei sind, das Richtige zu tun und den geraden Weg zu gehen.

Leben in der Lüge ist für Václav Havel das Fürwahrhalten oder das Nachbeten von Ideologien. Leben in der Lüge ist schliesslich alles, was den Menschen um die Wahrheit seines Wesens bringt: dass er Geschöpf ist und dass er einen Schöpfer hat.

Jeder Mensch, schreibt Havel, habe eine Sehnsucht nach Würde, nach moralischer Integrität, nach Freiheit, nach Sinn, nach Gott. Aber jeder Mensch sei zugleich fähig, sich auf ein Leben in Lüge einzulassen; in jedem sei ein Stück Bereitschaft, sich in der anonymen Menge aufzulösen und bequem im Fluss der Lüge mitzuschwimmen. Also resümiert Havel, dass so ein Leben in der Lüge nicht nur unter den Bedingungen einer Diktatur geführt werde, sondern ebenso sehr unter den Bedingungen der Konsumgesellschaft. Und er fragt: Hängt nicht die Tatsache, dass die Anpassung an das Leben in der Lüge so verbreitet ist, mit der Unlust der Konsummenschen zusammen, etwas von ihrer Bequemlichkeit aufzugeben zugunsten der geistigen und moralischen Integrität?

Das Leben in der Lüge. Das Nachbeten von Ideologien. Die Angst, den geraden Weg zu gehen. Jesus von Nazareth sagt an einer Stelle des Evangeliums: «Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken. Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft» (Mk 7,21f.). All dieses Böse, sagt er, komme von innen und mache den Menschen unrein. Ein Leben in der Lüge!

Václav Havel hat ein grosses Buch geschrieben. Es soll den Menschen helfen, die Lüge zu überwinden und den geraden Weg zu gehen. Der Titel dieses Buches, der wie ein Lebensmotto ist, lautet: Versuche, in der Wahrheit zu leben. Es dürfte kaum dem Zufall geschuldet sein, dass im Hintergrund dieses Programmwortes ein anderes Wort zum Klingen gebracht wird, das sich im Johannesevangelium findet.

Der menschgewordene Gottessohn Jesus sagt dort: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht» (Joh 3,21). Und weiter: «Wenn Ihr in meinem Wort bleibt, seid Ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet Ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen!» (Joh 8,31f.).

Glaube, wo er echt und ehrlich ist, lässt Menschen den Geist der Freiheit atmen. Eine Freiheit, die weiss, dass man die Wahrheit nicht nur sagen, sondern auch tun muss. Und die ihren Anfang in der Sprache des Gebetes nimmt: Herr, hilf mir, gerade zu stehen! Hilf mir, die

Wahrheit zu sehen! Hilf mir, mich gegen den Strom zu drehen! Hilf mir, den wahren, den geraden Weg zu gehen!

Share This