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Die jungen Israelitinnen waren nicht gut auf Rut aus Moab zu sprechen. Aus einem fremden Land kam sie, in dem eine seltsame Sprache gesprochen wurde und wo man angeblich sogar ekelhafte Götzen anbetete!

Aber was blieb der Ausländerin – Witwe eines wegen einer schrecklichen Hungersnot nach Moab ausgewanderten Israeliten – anderes übrig, als durch Ährenlese auf dem Feld ein wenig zum Lebensunterhalt ihrer Familie beizutragen? Ihr Name bedeutet Freundschaft, und das Buch ist tatsächlich die Geschichte einer wunderbaren Frauenfreundschaft zwischen Rut und ihrer hebräischen Schwiegermutter, der mittellosen, alternden Noomi.

Diese Noomi wiederum entpuppt sich als energische, erfinderische Frau, die ihre Chance zu nutzen versteht: Sie schmückt Rut wie eine Braut und schickt sie nachts zu Boas, dem Herrn der Felder, auf die Tenne. «Sie blieb zu seinen Füssen liegen bis zum Morgen» (Rut 3,14), so lässt die Bibel eine Love Story beginnen, die zur Familiengeschichte Jesu gehört.

Denn Boas heiratet Rut, die sich zum Gott Israels (und Noomis) bekennt; sie – die verachtete Ausländerin – wird zur Urgrossmutter Davids und geht in die Ahnenreihe des Messias ein. Die biblische Novelle stammt wohl aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert. Ruts rührende Worte an Noomi werden gern als Text bei Trauungen verwendet, obwohl sie zunächst nichts mit ehelicher Treue zu tun haben:

«Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein (…) – nur der Tod wird mich von dir scheiden» (Rut 1, 16 f.).

Die Katholiken feiern Ruts Gedenktag am 1. September.

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