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Die Spiritualität der Gotik hat das Leiden Christi neu entdeckt, intensiv ausgestaltet und religiös mitempfunden. Die Kreuzzüge des Mittelalters waren eine leidvolle Erfahrung, die nach einer neuen Deutung des religiösen Lebens verlangte. Es handelte sich nicht nur um eine bewaffnete Pilgerfahrt ins Heilige Land, sondern auch um eine gewaltsame Unterdrückung fanatischer Sekten. Eine davon waren die Geissler (Flagellanten), die mit schweren Kreuzen beladen umherzogen und sich blutig geisselten, um Busse zu tun. 

Dieses Anliegen nahm der Dominikanerpater Vinzenz Ferrer auf und lenkte es in theologisch vertretbare und spirituell sinnvolle Bahnen, indem er die Kreuzweg-Andacht entwickelte und empfahl. 

Ihren Ursprung hat sie natürlich in Jerusalem, dem wichtigsten Pilgerort des Mittelalters. Vor allem die Franziskaner begleiteten dort die Pilger auf dem Kreuzweg Jesu vom Praetorium zum Heiligen Grab, der in 14 Gedächtnisstationen unterteilt war.  

Die Förderung der Kreuzweg-Gestaltung und der Kreuzweg-Andachten durch die Franziskaner und Dominikaner fand grossen Anklang, nicht nur, weil sie eine Pilgerfahrt nach Jerusalem ersetzte, sondern weil die Menschen das persönliche Leid und das Leiden der Menschheit neu verstehen und deuten konnten. 

Auch bei uns gibt es viele künstlerisch wertvoll gestaltete Kreuzwege. Sie führen im Freien fast alle auf eine Anhöhe (Berg) zu einem Heiligtum (Kloster, Kirche, Kapelle). Sie sind ein Sinnbild für den Kalvarienberg. In den katholischen Kirchen – auch in den modernen – findet man meistens einen Kreuzweg. Wo es möglich ist, schreitet ihn die Gemeinde singend und betend ab. Eine modernere Möglichkeit ist, sich mittels Bildmeditation auf den Kreuzweg einzulassen. 

Der moderne Mensch ist mobil. Viel stärker als früher erlebt er sich unterwegs. Es ist kein Zufall, dass überall die alten Pilgerwege neu entdeckt werden: Wir finden in ihnen eine Deutung unseres Lebens. Je mehr wir uns dem Leid stellen und es nicht verdrängen, desto bedeutungsvoller werden für den religiösen Menschen auch die Kreuzweg-Stationen. Die Betrachtung des Leidens Christi kann zur Deutung und Bejahung des eigenen Leidens werden. 

Das Leid hat durch das Leiden Christi einen tiefen, geheimnisvollen Sinn bekommen. Nicht immer erkennen wir diesen Sinn und doch sollten wir umso mehr unser Vertrauen in einen guten und gnädigen Gott setzen. 

Vielleicht denken wir daran, wenn wir das nächste Mal in der Kirche nicht achtlos am Kreuzweg vorbeigehen. Er hat einen tieferen Sinn, als bloss schöne Dekoration zu sein.

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