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Bei der diesjährigen Zahnkontrolle erklärte mir die Dentalhygienikerin, mein ramponiertes Zahnfleisch komme wohl daher, dass ich zum Zähneputzen zu viel Kraft und Härte anwende. Die Fachfrau riet mir: Geniessen Sie es doch! Die Verbindung von Geniessen und Zähneputzen tönte in meinen Ohren befremdlich. Aber genau das Befremdliche machte mich neugierig, und so erforschte ich am Abend, ob denn Zähneputzen tatsächlich genussvoll sein könne. Nun ja, geniessen ist sehr viel gesagt. Aber mir wurde bewusst, dass ich Sorge tragen möchte für das, was mir Tag für Tag wichtige Dienste leistet. Und seither schrubbe ich meine Zähne nicht mehr einfach mit geballter Faust, sondern es ist da so etwas wie eine dankbare Sorgfalt und damit auch mehr Leichtigkeit.

Gar manches wäre schöner, einfacher und bequemer, wenn es mit dankbarer Sorgfalt und Leichtigkeit gemacht würde. Gibt es zum Beispiel nicht auch im Glaubensleben viel Ballast? Denken wir etwa nur an all die schiefen Strukturen, das Machtgehabe, die Intoleranz und Ignoranz in unserer Kirche. So beladen und beschwert sind ein freies Atmen, Sich-Bewegen und Wachsen oft kaum mehr möglich. Der Blick auf Jesus und seine Beziehung zum Vater zeigt ein ganz anderes Bild. Madeleine Delbrêl hat dies in einem wunderschönen Gebet ausgedrückt. Sie schildert das Leben mit Gott als einen Tanz und schreibt:

«Gott, wir vergessen die Musik deines Geistes und machen aus unserem Leben eine Turnübung; wir vergessen, dass es in deinen Armen getanzt wird, dass dein heiliger Wille von unvorstellbarer Fantasie ist, dass es monoton und langweilig nur für ältliche Seelen zugeht.

Herr, komm und lade uns ein. Wir sind bereit, dir diese Besorgung vorzutanzen, dieses Haushaltungsbuch, diese Mahlzeitenbereitung, diese Nachtwache, bei der wir schläfrig sein werden. Gib, dass wir unser Dasein leben, nicht wie ein Schachspiel, bei dem alles berechnet ist, nicht wie einen Match, bei dem alles schwierig ist, nicht wie ein Zahlenproblem, bei dem man sich den Kopf zerbricht, sondern wie ein endloses Fest, bei dem man dir immer wieder begegnet, wie einen Tanz in den Armen deiner Gnade, während Musik der Liebe uns allseits umfasst.»

Es gibt so vieles in unserem Alltag, das uns mit Leichtigkeit und Freude erfüllen, in Schwung und Bewegung bringen, das wir geniessen können. Machen wir uns doch auf die Suche danach und lassen wir den Ballast hinter uns.

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