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Für den 17. Oktober hat der Churer Bischof Joseph M. Bonnemain alle Firmlinge seines Bistums nach Einsiedeln eingeladen. Das Treffen mit den Jugendlichen soll der offizielle Startschuss für den Synodalen Prozess in den Bistümern der Deutschschweiz werden. An diesem Tag will Bischof Joseph Maria auch einen Jugendrat als Beratergremium errichten, welch schöne Idee!  

Für einen Religionspädagogen wie mich ist es eine höchst erfreuliche Entwicklung, dass die Jugend als Zukunftshoffnung der Kirche nicht nur für den Churer Bischof, sondern auch für Papst Franziskus eine so wichtige Rolle spielt. Franziskus ist intensiv mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kontakt, twittert, macht Selfies und fordert sie auf, in der katholischen Kirche «Wirbel zu machen». Man mag es mit dem südamerikanischen Temperament des Papstes oder seiner Biografie begründen, jedenfalls sind es ungewohnt offene und befreiende Töne aus Rom, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Junggebliebene ermutigen, daran zu glauben, dass Reformen in der katholischen Kirche ausgerechnet auf dem Weg einer Orientierung an der Jugend möglich sein sollen.  

So ist es erfrischend zu lesen, wenn Papst Franziskus 2019 im nachsynodalen Schreiben «Christus vivit» (CV) formuliert: «Jung zu sein ist weniger eine Frage des Alters als vielmehr ein Zustand des Herzens. Eine alte Institution wie die Kirche kann sich also erneuern und in verschiedenen Phasen ihrer langen Geschichte wieder jung werden» (CV Nr. 34). An anderer Stelle heisst es: «Bitten wir den Herrn, er möge die Kirche von denen befreien, die sie alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen» (CV Nr. 35). Das sind prophetische Worte, die sich nicht scheuen, Kritik an reaktionären Kräften zu üben, denen die Reformbestrebungen und der unter Papst Franziskus eingeschlagene Synodale Weg zu weit gehen. Vielmehr ist das Gehen eine wichtige Metapher für den Papst. Nicht umsonst gehören Formulierungen wie «Andiamo avanti!» oder «Uscire!» zu den am meisten gebrauchten Wendungen in seinen Predigten und Ansprachen. Im Zusammenhang mit Reformforderungen in der Kirche hat Papst Franziskus immer wieder das prophetische Potenzial der Jugend betont. Bei der Eröffnung der Jugendsynode 2018 in Rom brachte er das gut auf den Punkt: Der Papst begann seine Rede mit der Einladung, jeder solle mutig und ohne Scham seine Sicht der Dinge einbringen. Falls sich jemand beleidigt fühle, müsse man ihn um Verzeihung bitten. Wichtig sei es auch, mit Bescheidenheit auf die anderen zu hören. «Wenn der da redet, den ich nicht mag, muss ich ihm sogar noch mehr zuhören», sagte der Papst den jugendlichen Teilnehmern an der Vorsynode, «denn jeder hat das Recht, hier gehört zu werden, so wie jeder das Recht zu reden hat.» Zu viel spreche man über die Jugend, aber nicht mit ihr.

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