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In Afghanistan, Mali, Myanmar, Nigeria, Syrien und der Ukraine sind trotz internationaler Ächtung weiterhin Landminen und Streubomben im Einsatz. Die Langzeitfolgen sind fatal und treffen vor allem Kinder. 

von Axel Amweg

Jede dritte Stunde stirbt ein Mensch durch eine Mine. Etwa 54 Prozent der Betroffenen sind Kinder. Es gibt immer noch Millionen von Minen, die das Risiko haben, Menschen innert Sekunden zu töten oder irreversibel zu verstümmeln. Die höchste Zahl an Opfern ist in Ländern zu verzeichnen, die derzeit in bewaffnete Konflikte verwickelt sind – insbesondere Afghanistan, Mali, Myanmar, Nigeria, Syrien und die Ukraine. Sie blieben auch viele Jahre nach Kriegsende für die nachfolgenden Generationen eine Gefahr. Seit 1999 hat der Landmine Monitor Report mehr als 130 000 Opfer von Minen oder explosiven Kriegsresten identifiziert, die über die Erde verstreut sind. 

Um diese heimtückischen und unmenschlichen Waffen zu bekämpfen, wurde im Dezember 1997 der Ottawa-Vertrag geschlossen, der inzwischen von 122 Staaten unterzeichnet wurde, die sich zur Beseitigung von Minen verpflichten: Zunächst müssen sie jegliche Produktion, Verwendung, Lagerung und Ausfuhr von Antipersonenminen verhindern; dann müssen sie alle vorhandenen Minen in ihren jeweiligen Arsenalen zerstören, dann verminte Gebiete auf ihrem Territorium räumen sowie technische und finanzielle Unterstützung für Minenräumaktionen und Hilfe für die Minen-Opfer leisten.

Im März 1999 trat der Ottawa-Vertrag offiziell in Kraft – mit Wirkung. Bis heute ist die Zahl der Opfer von Landminen von etwa 25 Personen pro Tag im Jahr 1999 auf neun Personen pro Tag gesunken. Das sind aber immer noch neun Tote pro Tag zu viel. Die Lebensbedingungen vieler Opfer von Minen haben sich seit Inkrafttreten des Vertrags auch erheblich verbessert. Aber das Ziel muss es sein, dass keine Minen mehr zum Einsatz kommen und dadurch noch Kinder der Kriegsgeneration zu Schaden kommen. Die internationale Kampagne für das Verbot von Landminen ruft deshalb alle Mitgliedstaaten dazu auf, sich zu mobilisieren, um so viele Länder wie möglich mit ins Boot zu holen, damit die Minenräumung auf dem Planeten bis 2025 abgeschlossen ist. 

Minenfreie Länder
Der Minenverbotsvertrag ist einer der am meisten unterstützten humanitären Abrüstungsverträge
der Welt: 80 Prozent aller Länder haben ihn unterzeichnet. Bis heute sind mehr als 55 Millionen Minen zerstört worden und 30 Länder haben sich für minenfrei erklärt, zuletzt Chile und Grossbritannien im vergangenen Jahr. 34 Staaten haben immer noch Minen in ihren Beständen und 32 haben den Ottawa-Minenverbotsvertrag nicht unterzeichnet. 

Der Vertrag erfasst auch Streumunition oder Streubomben. Sie werden von Kampfflugzeugen abgeworfen und stellen eine Form des Waffeneinsatzes dar, der ebenso hinterhältig ist wie Minen, da er einen Teil der Zivilbevölkerung verstümmelt oder tötet. Streumunition wurde im vergangenen Jahr im Konflikt in Bergkarabach eingesetzt und wird auch heute noch in Syrien verwendet. Schon in der ersten Woche des russischen Einsatzes in Syrien 2016 berichtete Human Rights Watch von neuartigen, aus Russland stammenden Streubomben.

Nach Angaben des von Human Rights Watch mit herausgegebenen Streubomben-Monitors wurden damals innert weniger Wochen 76 russische Einsätze von Streubomben im syrischen Bürgerkrieg dokumentiert. 99 Prozent der Bestände dieser Munition sind in den Vertragsstaaten der Konvention inzwischen zerstört worden, und sechs Länder haben sich für frei von Streumunition erklärt, darunter Kroatien und Montenegro im vergangenen Jahr. 

Laut dem Bericht Worldwide Investments in Cluster Munitions investieren 88 Finanzinstitute weltweit neun Milliarden Dollar in sieben Unternehmen, die an der Produktion von Streumunition beteiligt sind und sich in Brasilien, China, Indien und Südkorea befinden. Es handelt sich um «Saatgut für Gemetzel».

 

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