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Der Titel ist mehrdeutig. Ich kann mir sagen: Kirche hin oder her, interessiert mich nicht (mehr). Oder ich kann mir die Frage stellen: Kirche, wo willst du hin? An der Antwort auf diese Frage scheiden sich oft die Geister. Die einen wollen zurück und blicken auf die Anfänge. Doch oftmals verwechseln sie die Anfänge mit dem Zustand der Kirche im frühen 20. Jahrhundert, wo – gemäss ihrer Erinnerung – alles geregelt war, sodass man wusste, was man zu tun und zu glauben hatte.

Die anderen wollen neue Strukturen für eine Kirche der Zukunft. Dabei kann uns der Blick zurück in die frühe Kirche vieles lehren. Gemeindebildung, auch ohne eine nach allen Seiten durchorganisierte Institution, ist möglich. Jedoch aus den Briefen des Apostels Paulus erfahren wir, dass in den ersten christlichen Gemeinden durchaus nicht immer alle Männer und Frauen ein Herz und eine Seele waren. In so manchen Fällen galt es, eine gewisse Ordnung zu institutionalisieren. Da liegen die Anfänge der Institution Kirche. Die Kirche in ihren heutigen Strukturen und Ordnungen ist menschengemacht. Was Menschen gemacht haben, können Menschen auch ändern.

Auf dem Weg in eine neue Zeit stellt sich die Frage: Kirche, wo willst du hin? Und auch: Wo solltest du hin?

Dabei wäre stets zu bedenken: Kirche, wo kommst du her?

Diese letzte Frage drängte sich mir auf im Betrachten der Erzählung vom Sturm auf dem See beim Evangelisten Markus (4,35-41). Jesus hat den Wunsch, auf die andere Seeseite zu gelangen. Die Jünger steigen mit ihm ins Boot. Ein Sturm kommt auf. Die Jünger rudern in Angst und Schrecken, während Jesus auf einem Kissen schläft. Sie wecken ihn mit der vorwurfsvollen Frage: Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Jesus steht auf und stillt den Sturm.

Zu ihm müssen wir zurück. Zu Jesus. In ihm gründet unser Glaube, nicht auf unsere menschengemachten Kirchenbilder. Die Kirche ist kein Kreuzfahrtschiff, aber von Anfang an ein Boot mit Jesus an Bord.

Dazu der knappe Text einer Benediktinerin, der mich seit Wochen beschäftigt.

 

Kirchenbilder

zeitlos ein Haus voll Glorie
auf Fels gebaut
oder


aktuell schwankendes Boot
auf dem stürmischen Meer der Zeit
faszinierender Traum
oder


Realität, erlebt und erlitten
wer heute dabei ist
muss schwindel-frei sein
und dem Markus glauben:

Jesus ist auch an Bord
wir können ihn wecken                                       

(Charis Doepgen OSB  in: TeDeum Juni 2021)

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