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Als Kind waren mir die Landesgrenzen recht vertraut, denn ich bin im westlichen Dreiländereck aufgewachsen. In Erinnerung ist mir der wöchentliche Besuch bei meinen Grosseltern, die im nahen Säckingen, in Deutschland, lebten. Durch den Zoll zu fahren hatte immer etwas Feierliches und Besonderes an sich. Eine Wette, ob unser oranger Opel diesmal vom Zöllner ohne Pässe-Zeigen durchgewunken würde oder nicht, war es allemal wert. Und dann konnte man von Basel aus als jugendliche Mutprobe mit dem Tram nach St. Louis in Frankreich fahren und über die Tramschlaufe wieder zurück. Grenzen waren für mich wahrnehmbar, zeigten sich jedoch eher als durchlässig und nicht als abweisend.

Kürzlich haben wir den Nationalfeiertag begangen, an dem wir der über Jahrhunderten gewachsenen Grenzen unseres Landes gedachten. Zwar ist unser Land klein, und die Schweizer Grenze umfasst nur eine Fläche von 41 285 km². Damit nimmt es auf der Liste der Staaten der Erde von insgesamt 193 den 133. Platz ein. Und doch sind Grenzen da. Sie geben Halt, Sicherheit und vermitteln Identität und Zugehörigkeit. Diese Grenzen dürfen wir feiern, wenn wir dabei nicht vergessen, dass sich über alle Grenzen hinweg der grenzenlos weite Himmel spannt und wir die Luft derselben Atmosphäre atmen wie 7,8 Milliarden andere Menschen auch.

Grenzen bestimmen unser gesamtes Leben. Ganz zu Beginn überschreiten wir die Grenze vom unbewussten Dämmern im Mutterschoss hin zum bewussten Dasein in der Welt. Am Ende steht der Tod als Grenze, hinter die zu blicken uns verwehrt ist, bis wir sie überschritten haben. Dazwischen gibt es die, hoffentlich, bergenden Grenzen der Familie, in der ich aufwachse, gefolgt vom stürmischen Sprengen aller Barrieren in der Pubertät. Etwas ruhiger erweitern wir unsere Grenzen durch Beruf, Beziehungen, Reisen.

Schmerzhaft zeigen sich die Begrenzungen unserer Fähigkeiten, Belastbarkeit und vielleicht auch unserer Gesundheit. Grenzen zu überschreiten erweitert den Horizont, es kann aber auch gefährlich sein. Denken wir nur an die Grenzüberschreitungen im menschlichen Miteinander oder wenn Wasser oder Feuer Grenzen überschreiten und Vernichtung anrichten. Es bedarf menschlicher Klugheit und Anstrengung und es braucht Gesetze und Strafen, um die eigenen Triebe und die Naturgewalten in Grenzen zu halten.

Allemal hilfreich ist es, sich die Welt und das Leben und den Menschen unbegrenzt, im Werden und sozusagen als «offene Systeme» zu sehen, wie es Ermes Ronchi sagt. Und wie wunderbar, wenn wir vermögen, auch Gott so anzuschauen, und dadurch seine grenzenlose Liebe erfahren.

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