Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Auf diesen Satz bin ich neulich wieder gestossen. Er stammt von Viktor E. Frankl, dem grossen Psychiater und Philosophen, der mehrere Konzentrationslager überlebt und eine eigene Psychotherapierichtung entwickelt hat. Er ist an dem Unglück, das ihn getroffen hat, nicht zerbrochen, sondern er hat sogar in diesem Unglück noch Glücksspuren entdecken können. Dies nicht im Sinne von erlebten Glücksmomenten, sondern indem er das wahrnahm, wovor er verschont geblieben ist.  

Unsere Orientierung geht normalerweise dorthin, wo etwas besser ist, wo ich etwas erhalte, sich das Gute vermehrt. Glück, so meinen wir gemeinhin, sei das, was mir in Fülle an Gutem unverdient zufällt. Und es braucht nur einen ganz kleinen Schritt bis zur Überzeugung, dass Glück das sei, was mir eigentlich und im Grunde zustehe. Es geht um das Bekommen und Besitzen, um das Haben und Vergleichen nach oben. Es wäre ein Glück, wenn mir der Lottogewinn zufiele. Es wäre ein Glück, wenn diese Pandemie endlich vorbei wäre. Es wäre ein Glück, wenn an meinem geplanten Wandertag schönes Wetter wäre. Meist jedoch stellt sich diese Art von Glück in unserem Leben nicht ein und wir spüren einen Mangel oder fühlen uns sogar vom Pech verfolgt.   

Wenn Glück jedoch das ist, was mir erspart bleibt, dann öffnet sich mein Blick, ich nehme die Wirklichkeit wahr und komme in das Vergleichen nach unten. Was für ein Glück ist es, am Morgen gesund zu erwachen – das Kranksein bleibt mir erspart. Was für ein Glück ist es, eine volle Einkaufstasche nach Hause zu tragen – das Hungern bleibt mir erspart. Was für ein Glück ist es, heute Besuch zu erhalten – Einsamkeit bleibt mir erspart. Dieses Glück hat eine ganz andere Qualität. Es ist nicht das gierige Verlangen nach noch mehr, das meinen Blick auf mich und meinen Mangel gerichtet hält, sondern es ist das staunende, überraschte und dankbare Wahrnehmen der Fülle, in der ich lebe.  

In der Regel bewundern wir Menschen, die im Unglück tapfer sind, die ein schweres Schicksal tragen und daran nicht zerbrechen. Und dies ist tatsächlich eine grossartige Leistung. Es ist aber auch eine grossartige Leistung, sich zu einem leichten und angenehmen Schicksal gut einzustellen, sich am Erfreulichen zu erfreuen und zufrieden und dankbar zu geniessen, dass mir so viel Schweres und Leidvolles erspart geblieben ist.  

Paulus hat es im Brief an die Philipper so gesagt: Bringt eure Bitten mit Dank vor Gott und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird euch ganz und gar erfüllen. Was für ein Glück!  

Share This