Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Theologie mit Weitblick – so lautet der Slogan der Theologischen Hochschule in Chur. Ihre heutige Realität hat die allgemeine Vorstellung von ihr schon weit überholt. Denn die Hochschule ist eine moderne universitäre Institution mit viel Potenzial.

von Anton Ladner 

Seit April 2006 bestehen keine Zweifel mehr: Die Schweizerische Universitätskonferenz hatte damals die Theologische Hochschule Chur als private universitäre Institution anerkannt. Das war die Bestätigung, dass Chur den internationalen Standards einer universitären Fakultät entsprach. Dazu genügt nicht eine bedeutende Vergangenheit, sondern es braucht auch Massnahmen für eine Weiterentwicklung. Die Hochschule basiert auf dem Studium Theologicum des 1807 gegründeten Priesterseminars St. Luzi. Aber in Chur geht die geistliche Ausbildung viel weiter zurück, denn der bischöfliche Hof führte schon im 12. Jahrhundert eine Domschule für künftige Kleriker. 2003 erteilte Rom ihr den Status einer Fakultät.

Damit wurde die Weiterentwicklung mit einer pastoralen Ausrichtung honoriert, die 2003 zur Eröffnung eines Pastoralinstitutes führte, das sich auf die Fort- und Weiterbildung der Seelsorgerinnen und Seelsorger fokussiert. Der neue Schwung hatte mehr Bedeutung zur Folge, was die Schweizerische Universitätskonferenz 2013 veranlasste, Chur als universitäre Institution zu akkreditieren. Der Rückblick macht klar: In Chur herrscht seit Jahren eine Aufbruchstimmung. Der moderne Geist von Chur ist auch ab und zu in dieser Zeitschrift spürbar, konkret in den regelmässigen Glaubensimpulsen und Artikeln von Rektor Christian Cebulj, der die Hochschule zusammen mit Prorektorin Eva-Maria Faber führt, oder in Beiträgen von Hanspeter Schmitt, Professor für Theologische Ethik.

Das Angebot von Studiengängen ist heute beeindruckend: Neben Bachelor, Master und Doktorat Katholische Theologie bestehen CAS-Studiengänge und Weiterbildungen in Seelsorge. Alles in überblickbarem Rahmen, was für mehr Motivation sorgt und tieferen Austausch mit den Dozentinnen und Dozenten. Mit mehreren nationalen und internationalen Institutionen bestehen zudem Kooperationen, zum Beispiel eine gemeinsame Professur für Liturgiewissenschaft mit der Universität Luzern. Mit der Salesianischen Päpstlichen Universität in Jerusalem gibt es die Möglichkeit eines Freisemesters, ebenso mit der Goethe-Universität in Frankfurt. Theologie mit Weitblick, lautet der Slogan der Hochschule – dazu gehören in Chur auch persönliche Erlebnisse jenseits der Grenzen.

Interview

«Theologie kreist um alle grossen Fragen der Menschheit»

 

Christian Cebulj leitet die Theologische Hochschule Chur seit 2015 als Rektor. Im Interview sagt er, was Chur im Vergleich zu anderen so besonders macht.

Christian Cebulj, viele bezeichnen das Theologiestudium als das schönste. Stimmt das?
Na klar, das ist völlig richtig, denn die Theologie kreist um alle grossen Fragen der Menschheit. Der Philosoph Immanuel Kant hat sie in vier Fragen unterteilt: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? In der Theologie suchen wir Antworten auf diese Fragen, besonders die dritte. Gibt es etwas Schöneres?

Wer studiert heute Theologie? Gibt es da ein klares Profil?
Die Biografien unserer Studierenden sind so bunt wie das Leben. Manche beginnen gleich nach der Matura, viele bringen schon eine Berufsausbildung mit und kommen erst dann auf den Geschmack. Manche studieren Vollzeit, andere haben Familie und arbeiten nebenher und absolvieren deshalb ein Teilzeitstudium.

Sie sind seit 2015 Rektor der Theologischen Hochschule Chur, was waren die Höhepunkte in dieser Amtszeit?
Mein schönstes Erlebnis als Rektor war zweifellos das Jubiläum 50 Jahre THC 1968−2018, das wir vor drei Jahren gefeiert haben. Beim Treffen von über 120 Ehemaligen war eine unglaublich starke Verbundenheit mit unserer Hochschule spürbar. Unsere Alumni sind heute in allen Teilen der Kirche Schweiz tätig, das macht mich stolz.

Was zeichnet Chur gegenüber anderen Theologischen Fakultäten aus? Was ist der USP?

Chur ist ein kleiner, aber feiner Studienort mit einem sehr persönlichen Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden. Durch unser Pastoralinstitut und unser Leitbild hat unser Studium auch eine besondere Praxisnähe.

Wie sehen heute die Berufschancen mit einem Theologiestudium aus?
Die katholische Kirche punktet im Moment nicht gerade mit guten Nachrichten, aber sie bietet sehr vielfältige Berufschancen. Mit einem Master in Theologie kann ich zunächst in verschiedenen Seelsorgebereichen arbeiten: Pfarrei, Spital, Gefängnis, Schule. Es gibt aber auch interessante Jobs im Medienbereich oder in der Wirtschaft. Am 20. September beginnt das Herbstsemester, Kurzentschlossene können sich also noch anmelden.

Bei Roche wurde 2010 mit Stephan Feldhaus ein Theologe Kommunikationschef. Ist das eine Ausnahme oder die Zukunft?
Stephan Feldhaus hat mit mir studiert und war schon früh ein talentierter Ethiker. Theologen zeichnen sich im Idealfall durch eine hohe Sozialkompetenz aus, diese Kombination hat ihm sicher bei Roche in die Chefetage verholfen. Er hat sich übrigens mit 58 Jahren noch mal entschieden, Ständiger Diakon zu werden.

Werden Theologen in der Wirtschaft zunehmend beschäftigt, um der ethischen Verantwortung mehr Gewicht zu geben?
Das beobachte ich leider nicht, aber ein Bedarf wäre sicher gegeben.

Wie nimmt die Theologische Hochschule Chur neue gesellschaftliche Strömungen in den Lehrplan auf?
Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen spielen in mehreren theologischen Fächern eine wichtige Rolle. Im CAS-Studiengang Spiritual Care in Kooperation mit dem Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) der Universität Fribourg und der Universität Zürich greifen wir Fragen weltanschaulicher Pluralität im Spitalalltag auf. Da ist es sehr wichtig, präsent zu sein.

Share This