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Wir begehen dieses Jahr den 700. Todestag des grossen italienischen Dichters Dante Alighieri (1265−1321). Der Literat aus Florenz, der gerne auch der ‹Goethe der Italiener› genannt wird, gelangte vor allem durch seine Göttliche Komödie (italienisch: Divina Commedia dell’Arte) zu Weltruhm. Es heisst, dass Goethe selbst nicht besonders viel mit Dantes Göttlicher Komödie habe anfangen können. Aber zahlreiche romantische Dichter wie Kleist, Hölderlin und Novalis erkannten die Bedeutung des italienischen Poeten und begeisterten sich für seine lebendigen Beschreibungen von Himmel, Hölle und Paradies.

Literaturschaffende werden immer durch ihre Biografie und Umgebung geprägt. So ist es auch bei Dante, dessen Eltern zum niederen Adel von Florenz gehörten. Die toskanische Hauptstadt besass damals herausragende Bildungseinrichtungen, wo der junge Dante eine solide Erziehung genoss und Freundschaften mit anderen jungen Dichtern schloss. Er verfasste elegante Liebessonette und gehörte bald zur politischen Elite als Mitglied im Rat der Hundert und im Priorat – die einflussreichste Institution von Florenz.

Interessanterweise hat Papst Franziskus Dante jetzt mit einem kurzen, aber euphorisch formulierten Apostolischen Schreiben gewürdigt, das den Titel «Candor lucis aeternae» trägt (deutsch: Glanz des ewigen Lichts). Anlässlich des 700. Todestags des grossen toskanischen Dichters betont Papst Franziskus den philosophischen Tiefgang der Göttlichen Komödie, die Aktualität des Textes und die Kraft des Glaubens, die darin zum Ausdruck komme. Franziskus ruft dazu auf, dieses Werk auch jenseits seines Charakters als Pflichtlektüre in Schulen und Universitäten wiederzuentdecken. Er betont, dass die «Divina Commedia» – so der italienische Originaltitel des Werks − Kraft, Trost und Hoffnung schenken könne, und schlägt einen Bogen zur aktuellen Corona- Situation:

Der Papst schreibt: «In diesem aussergewöhnlichen historischen Moment, der von vielen Schatten gezeichnet ist, von Situationen, die die Menschheit erniedrigen, von einem Mangel an Vertrauen und Zukunftsperspektiven, kann uns Dante, der Prophet der Hoffnung und Zeuge des menschlichen Strebens nach dem Glück, auch heute noch Worte und Beispiele schenken, die uns auf unserem Weg neuen Schwung geben können.» Ganz besonders ermutigt Papst Franziskus die Künstler, der Poesie Dantes eine Stimme, ein Herz, eine Form, Farben und Klänge zu verleihen und – wie Meister Dante selbst – mittels der Schönheit die tiefsten Wahrheiten zu kommunizieren und zu verbreiten. Der Appell des Papstes lautet: Mit der Stimme, die der jeweiligen Kunstform eigen ist, verbreitet sie Botschaften des Friedens, der Freiheit, der Geschwisterlichkeit.

Der kulturelle Brückenschlag, den Papst Franziskus zwischen Kirche und Kunst herstellt, ist positiv zu würdigen, weil er sich damit als Anwalt des Humanismus präsentiert. Er stellt sich in eine Linie mit dem berühmten italienischen Schriftsteller und Auschwitz-Überlebenden Primo Levi. Nicht zufällig bezieht sich Levi in seiner autobiografischen Erzählung über Auschwitz ‹Ist das ein Mensch?› auf Dante. Es gibt eine Szene, in der er mit einem Mitgefangenen Suppe holt und beginnt, Dante zu rezitieren, um diesem Freund Italienisch beizubringen. In diesem Moment leuchtet eine fremde, andere Sphäre auf, in der der Mensch ein Mensch ist, weil er dichten kann. Er eröffnet damit eine Gegenwelt zur Grausamkeit des Konzentrationslagers und resümiert: Solange wir einen poetischen Raum haben, sind wir Menschen. Dante zu lesen lohnt sich also, da ist Papst Franziskus ohne Zweifel zuzustimmen.

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