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Wenn Ferkel keine Muttermilch mehr erhalten, steigt ihr Risiko, krank zu werden. Statt Antibiotika einzusetzen, hilft Cola gegen die Gefahren in neuer Umgebung. 

von Renate Hodel

Die Umstellung von fast ausschliesslich Sauenmilch auf festes Futter ist eine kritische Zeit, in der Ferkel sehr anfällig für Infektionskrankheiten sind und ihr Immunsystem sich gegen Durchfallerreger wie Bakterien, Viren und Parasiten verteidigen muss. Dazu kommt, dass die maternalen Antikörper, welche die Ferkel am ersten Lebenstag über die Biestmilch aufgenommen haben, um die dritte Lebenswoche langsam aufgebraucht sind und Antikörper in der Sauenmilch nicht länger aufgenommen werden. 

Besonders häufig sind Infektionen durch Kolibakterien: Stämme des sogenannten enterotoxischen Bakteriums Escherichia coli gelangen durch orale Aufnahme in den Körper der Ferkel und docken dort an der Darmschleimhaut an. Dort bilden die E. coli-Bakterien Giftstoffe, die im Dünndarm eine Sekretionsstörung verursachen und Durchfall auslösen. Die Ferkel haben eine erhöhte Flüssigkeitsausscheidung und im Darm kommt es zu einer Störung der Nährstoffaufnahme, was zu geschwächten Ferkeln und ohne Behandlung oft zu ihrem Tod führt. Um erkrankten Ferkeln zu helfen, werden Antibiotika verabreicht. 

Der Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren steht allerdings sehr im Fokus der öffentlichen Diskussion und ist umstritten: Einerseits fürchten sich Konsumentinnen und Konsumenten beispielsweise vor antibiotikabelastetem Fleisch. Andererseits wissen die Landwirtinnen und Landwirte, dass jede Gabe von Antibiotika die Entwicklung von bakteriellen Resistenzen fördert – bei gewissen Erkrankungen kann es aber das einzig verbleibende Mittel sein, das den Bestand zu retten vermag. 

Ohne Medikamente
Praxistaugliche Massnahmen, die einen möglichst geringen Medikamenteneinsatz erlauben, sind also gefragt. Mit einem guten Betriebsmanagement, einer optimalen Fütterung sowie guter Stall- und Tierhygiene ist das medikamentenfreie Absetzen von Ferkeln durchaus möglich und mit den richtigen Voraussetzungen sogar erstaunlich einfach: «Gerade solche Betriebe, die eine intensive Beratung durch Fachtierärzte für Schweinemedizin in Anspruch nehmen, kommen sehr oft allein mit Managementmassnahmen und einer optimierten Fütterung aus und wenden bereits seit Jahren keine Antibiotika mehr an, wenn die Ferkel abgesetzt werden», sagt Heiko Nathues, Leiter der Schweineklinik an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. 

«Das Klima im Stall muss stimmen, die Haltungsbedingungen müssen gut sein, die Schweine sollten einen sauberen Stall vorfinden und es braucht gute fachliche Praxis – das sind die Spielregeln, damit Absetzen ohne Medikamenteneinsatz möglich ist», pflichtet Ruedi Bigler bei, der auf seinem Landwirtschaftsbetrieb in Moosseedorf neben Milchkühen Mutterschweine hält und entsprechend Ferkelaufzucht macht. Und: Er setzt seit über einem Jahr auf Cola. Das Alternativprodukt wirkt prophylaktisch, stärkt die Abwehr der Ferkel und hilft so, Durchfall zu minimieren. 

Mit Cola gegen Durchfall
Beim Absetzen muss sich die Darmflora der Ferkel zuerst an die neue Fütterung anpassen. Cola-Produkte hätten einen pH-Wert von 2,5 bis 4,2 und mit dem Einsatz von Cola beim Absetzen von Ferkeln werde entsprechend das Futter angesäuert oder aber die Ferkel würden die saure Lösung, wenn Cola zum Trinken angeboten werde, direkt aufnehmen, erklärt Heiko Nathues: «Der niedrige pH-Wert ‹kompensiert› die mässige Ansäuerung des Futters im Magen der gerade erst abgesetzten Ferkel und verhindert ein zu starkes Wachstum der Gram-negativen Bakterien im Darm – so wird Diarrhoe durch Dysbakteriose verhindert.» Alternativprodukte wie Cola senken den pH-Wert im Magen, der bei Absetzferkeln in der Regel etwas zu hoch ist – ein tiefer pH-Wert fördert die Verdauung und hemmt Krankheitserreger. 

Ruedi Bigler gibt seinen Ferkeln während des Absetzens über rund zehn Tage Cola, und dies mit Erfolg: Medikamente braucht er beim Ferkelabsetzen kaum noch. «Wir leeren das Cola über das Futter – eine Bucht von 30 Ferkeln bekommt rund drei Liter Cola im Tag und die Säuli fressen es gerne, weil es sehr süss ist», erzählt er. Daneben würden die Ferkel aber auch noch Mikronährstoffe und Probiotika bekommen, Cola sei aber sicher die spektakulärste Komponente beim Absetzen: «Wenn ich erzähle, dass unsere Ferkel Cola bekommen, denken die Leute immer, ich mache Witze.» 

Zusammenspiel von verschiedenen Massnahmen
Auch wenn Cola gut wirkt und beim Absetzen der Ferkel unterstützt, so muss doch mehr zusammenpassen als nur das richtige Alternativprodukt. «Wenn man bei der Ferkelaufzucht daneben alles falsch macht, nützt Cola auch nichts», sagt Ruedi Bigler. Und auch Heiko Nathues betont, dass es immer ratsam sei, das Vorgehen mit der bestandsbetreuenden Tierärztin oder dem bestandsbetreuenden Tierarzt vorgängig abzusprechen: «Je nach Vorbericht ist gegebenenfalls eine vorgängige Untersuchung ratsam, damit Infektionen mit spezifisch pathogenen Erregern durch weiterführende Untersuchungen ausgeschlossen werden können. Wird einfach ohne Rücksprache ein Cola-Produkt eingesetzt, mag das vielleicht kurzfristig die Symptome verhindern, die Infektion führt dann aber unter Umständen in der späteren Aufzucht zu Darmerkrankungen und ökonomischen Einbussen.» 

Bestandsbetreuende Tierärzte als Spezialisten für Tiergesundheit können oft schon anhand des Vorberichts und der klinischen Symptome einschätzen, ob Proben untersucht werden sollten oder nicht. Und auch eine falsche Futterzusammensetzung, eine grundsätzlich falsche Fütterung, Fehler bei der Futterhygiene oder die Futterumstellung an sich können bei Ferkeln zu Durchfall führen. Daneben spielen bei der Entstehung von Durchfallerkrankungen wie erwähnt auch Faktoren wie Haltung, Stallhygiene und das Betriebsmanagement eine entscheidende Rolle. 

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