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Ausgabe 5/2019

Rabenmütter sind auch nur Menschen

Warum ist es okay, dass Kinder nach einer Trennung der Eltern bei der Mutter wohnen, aber komisch, wenn die Familie sich entscheidet, die Kinder in die Obhut des Vaters zu geben? Obwohl laut aktuellem Sorge- und Unterhaltsrecht mittlerweile beide Elternteile gleichberechtigt sind.

Der Ausdruck Rabeneltern ist ebenso hochgradig verfehlt wie viele andere abfällige sprachliche Kombinationen von Tier- und Menschenwelt. Kuhdumm, hundefaul – weder sind Kühe dumm oder Hunde faul noch Raben schlechte Eltern. Die schwarz gefiederten Vögel haben bloss das Pech, dass ihr Nachwuchs sein Nest natürlicherweise verlässt, bevor er richtig fliegen kann – was mitunter etwas hilflos ausschauenmag. Die Rabeneltern sind aber immer in der Nähe und passen auf die Kleinen auf. Der Ausdruck ist im wahrsten Sinn eine Hiobsbotschaft, denn er stammt aus dem gleichnamigen Buch der Bibel, gründete aber wohl bereits dazumal auf der falschen Interpretation der ersten Flugversuche der Jungvögel. Diese Erklärung ist mittlerweile so oft wiederholt worden, dass die tierischen Rabeneltern ihr schlechtes Image schon fast ganz losgeworden sind. Hartnäckiger hält sich der Begriff leider in der Menschen- und insbesondere in der Mütterwelt. Eine umgangssprachliche Rabenmutter – da weiss doch gleich jeder, woher der Wind weht. Und wir sprechen hier explizit nicht von Müttern, die ihre Kinder in strafbarer Weise vernachlässigen! Die Rede ist vielmehr von Müttern, die etwa neben dem Mutterdasein auch noch eine Karriere verfolgen, Politik machen möchten oder – und das ist bis heute der fast unbestrittene Gipfel der rabenschwarzen Frechheit – Müttern, die nach einer Trennung vom Vater ihrer Kinder getrennt von den Kindern leben. Damit ist für viele Menschen die Grenze des guten Geschmacks erreicht.

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