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Macht die Kirche alles wieder heil?

Als Kind war er jahrelang von einem Priester missbraucht worden: Der Fall Daniel Pittet erregte Anfang des Jahres Aufsehen und rückte das Thema Kirche und Missbrauch einmal mehr in den Fokus. Wie sieht die kirchliche Aufklärungsarbeit aus? Werden die Opfer entschädigt? Fragen an Giorgio Prestele, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer Bischofskonferenz.

Giorgio Prestele, Sie sind seit gut zwei Jahren ehrenamtlicher Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld». Wie hat sich der Umgang mit Missbrauchsfällen in der Schweiz seit Ihrer Einsetzung verändert?
Mein Hauptanliegen bis jetzt war es, einen Fonds aufzusetzen – ähnlich dem staatlichen Soforthilfefonds für ehemalige Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Unser Fonds, der ausschliesslich für verjährte Fälle gilt, kann maximal ein finanzielles Zeichen setzen, keinesfalls geschehenes Unrecht ausgleichen. Wer im kirchlichen Umfeld sexuell missbraucht worden ist, kann seit letztem Jahr über diesen Fonds zehn- oder zwanzigtausend Franken erhalten.

Wie geht das praktisch?
Mit der Kommission «Genugtuung» haben wir eine Partnerin, die aufgrund eines sehr einfachen Verfahrens entscheidet. Für viele Opfer ist es ja schwierig, über den Missbrauch zu sprechen. Als Startkapital erhält die Kommission eine halbe Million von der Kirche, ansonsten ist das Verfahren komplett kirchenunabhängig. Der siebenköpfigen Kommission gehören soweit möglich neutrale Fachpersonen für Missbrauchsfälle an – also beispielsweise Psychologen, Ärzte und Juristen. Dazu kommen je ein Vertreter des Personalwesens einer Diözese, der Vereinigung der Höheren Ordensoberen der Schweiz sowie einer staatskirchenrechtlichen Anstellungsbehörde.

Sind Sie dabei auch mit Fällen konfrontiert, mit denen Sie nicht gerechnet haben?

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