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Aus meiner Woche

Wilde Symphonie der Natur

Pitschnass, die Kapuze des Plüschjäckchens tief ins Gesicht gezogen, renne ich über die glitschige Wiese. Der Wind donnert, nur vom Donner selbst übertönt, während der Regen die wilde Symphonie zusätzlich berauscht. Es ist so laut, ich kann kaum etwas sehen! Und doch sehe ich, dass weiter vorne unter dem Sonnenschirm ein junger Vater nervös vor sich hin fuchtelt. Er hat das zwei Monate alte Baby im Arm. Ich eile also zu Hilfe. Im grellen Zucken der Blitze ziehen wir irgendwie den Regenschutz über den leeren Kinderwagen. Und wieder und wieder und lauter und lauter brüllt der Donner über den Garten, eben noch Kulisse einer friedlichen Grillparty.

Insgesamt drei Väter mit Säuglingen in den Armen bleiben sinnlos standhaft draussen im Unwetter, um noch zu justieren, zu retten, was auch immer. Wieder Blitz und sofort der Donner. «Jetzt bringt endlich die Babys rein», rufen eine Kollegin und ich unisono. Nun stillen oben in der gemütlich warmen Stube die Mütter ihre Kleinen. Und unten im Keller schlottern ich und ein paare andere, die sich nicht so recht zwischen Sicherheit und Abenteuer entscheiden können – während draussen die alten Wilden mit dem Donner heulen. Gewalt der Natur, Enthüller unserer selbst: Wir sind Gelassene und Aufgeregte, Helfer und Hilflose, Zauderer und Verrückte. Alle liebenswert. Was für ein Gartenfest!

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift