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Aus meiner Woche

Ich bin eine Planerin.

Ich gebe es zu: Ich bin eine Planerin. Ich mag es, wenn ich weiss, was auf mich zukommt. Seit ich zur Autofahrerin mutiert bin, frage ich zum Beispiel meinen Partner oft: Wie ist die Situation in dem und dem Parkhaus? Sind die Plätze eng? Wo steht der Zettelautomat? Das ärgert ihn. Du siehst es ja dann! Manchmal fragen mich die Leute: Wozu der Stress? Lass es doch auf dich zukommen! Ich nehme aber gerne Dinge vorweg, das ist für mich nicht stressig, im Gegenteil.

Ich sitze im Zug. Neben mir ein junger Mann. Gutaussehend, mit Bart. Er hat eine angenehm dunkle Stimme. Rein äusserlich wirkt alles an ihm lässig. Nur nicht, was er am Handy mit einer Reisebüroangestellten bespricht: «Am 2. August wollen wir dann die Stadt anschauen und uns entspannen. Wir übernachten also am 3. August nochmals im selben Hotel. Am nächsten Tag wollen wir dann einen ganzen Tag in den Everglades verbringen. Buchen Sie abends irgendein billiges Motel, nur zum Übernachten. Wir brauchen dann kein weiteres Programm und fahren am nächsten Tag früh weiter.» Es ist Februar! Woher weiss mein Sitznachbar, dass er (und vermutlich seine Freundin) am 3. August entspannen wollen und am 4. August abends sicher zu müde sind für alles? Ich bin irgendwie schockiert. Bin ich auch so? Ich atme tief durch, schliesse die Augen, denke an meine bevorstehende Australienreise. Was mache ich am 17. März? Keine Ahnung. Zum Glück.

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