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Aus meiner Woche

Mützchen, wo bist Du?

Ich habe es tatsächlich geschafft, am ersten Arbeitstag des neuen Jahres den Wecker nicht zu stellen. Ich habe es tatsächlich geschafft, am ersten Arbeitstag des neuen Jahres den Wecker nicht zu stellen. Da allerdings mein Partner früher aufstehen musste als sonst – normalerweise darf er lange nach mir das Haus verlassen – bin ich just um 7 Uhr doch noch aufgeschreckt. Verschlafen! Das passiert mir doch nicht! Ausgerechnet am dritten Januar! Ich ärgerte mich fürchterlich. Das übliche Morgenprozedere absolvierte ich im Zeitraffer: Saft trinken, umziehen, Zähne putzen, Haare schön, Essen einpacken, Mantel bereitlegen, Schuhe an, Mütze auf – stopp! Wo war die elende Mütze? Ich suchte und jammerte, verwünschte mich für meine Schusseligkeit. Ich hätte ja auch ohne Mütze losgehen können, meinen Sie? Schwierig; ich bin ein echter Kopf-Gfrörli. Wenn der nicht bedeckt ist, fühle ich mich ausgeliefert. Und an diesem Morgen lag zum ersten Mal in diesem Winter Schnee. Und es war bitterkalt.


Ich fand den schwarz-wollenen Ausbüxer dann doch noch – in einem Ärmel meines Mantels, also exakt dort, wo ich als Erstes nachgesehen hatte. Solche Dramaturgien hingegen sind mir nur zu bekannt. Das passiert mir ständig: Ich suche und suche und finde am Schluss dort, wo ich schon gesucht habe. Das neue Jahr hat mir also gleich gnadenlos ehrlich ins Gesicht gesagt: Du bist, wer du bist. Und das bleibt so.

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