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Aus meiner Woche

Beten allein reicht nicht

Kürzlich war ich mit Hugo, unserem dreijährigen Mischlingsrüden, an der Limmat.

Beim Kloster Fahr ruhten wir uns aus auf einer der zahlreichen Bänke der im Winter geschlossenen Gartenwirtschaft. Seit Jahren schon ist das Kloster Fahr mein Rückzugsort der weltvergessenen Stille. Vor den Toren der Grossstadt schwebt über dem Komplex historischer Gebäude und diskreter Neubauten am renaturierten Fluss zeitlos genügsame Harmonie. An jenem Tag kämpfte die Sonne tapfer, aber mit bescheidenem Erfolg gegen den zähen Hochnebel, über der Landschaft lag ein fahles Licht und von der Limmat her zogen milchige Schlirggen über die Wiese.

Aus der schattigen Baumgruppe beim Fluss löste sich eine schwarze Gestalt, und mit bedächtigen Schritten kam ein Priester über die Wiese zum Kloster gelaufen. Beim Näherkommen wurde ich seines Murmelns gewahr; ich nahm an, er sei ins Gebet vertieft und senkte andächtig den Kopf. Der Wirkung solcher Bilder oder Situationen kann ich mich nicht entziehen, sei der Grund nun kulturelle Prägung oder spirituelle Inspiration. Auf meiner Höhe angekommen, beendete der Geistliche sein Gebet: «Also, ich wünsche dir noch einen schönen Nachmittag. Danke für den Anruf.» Mit sanftem Tippen auf seine Brust unter dem schwarzen Mantel unterbrach er die Verbindung. Auch 2017 bin ich noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen.

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