Das katholische Wochenmagazin «Sonntag» gehört seit 1920 zu den wichtigsten Traditionstiteln der Schweiz.

Aus meiner Woche

Zwischen heiter und wolkig

An manchen Tagen hat man das Gefühl, dass alles schiefläuft. Zuerst hört man den Wecker nicht und verschläft. Dann beisst einen die sonst so zuckersüsse Nachbarskatze in die Finger – womöglich sagt dem Tier ja die neue Bio­Granatapfel­Paranuss-Handcreme nicht zu. Schliesslich will man sich im Café schnell mit einem Cappuccino Munterkeit antrinken und wischt gleich die neue Fensterbankdekoration runter – Keramikkerzenbecher, die am Boden klirrend in Stücke brechen. Da ist man fast schon froh, wenn nicht noch das Mobiliar Feuer fängt – denn es scheint zu stimmen, dass ein Ungeschick das nächste nach sich zieht.

Ich weiss, man kann nicht vom Pech verfolgt werden – das hat gar kein Interesse an so etwas –, sondern ist selbst schuld an so einer Kette von Missgeschicken. Bin ich schon mal zu spät dran, stürze ich mich in Hektik, um Versäumtes aufzuholen, und vergesse, dem gegenwärtigen Augenblick die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Klar, dass dann einiges schiefgeht, und schön, wenn man so etwas ganz rational erklären kann. Allerdings findet sich nicht für jede Pechsträhne eine vernünftige Erklärung. Seit vorigem Sommer etwa ist es verlässlich immer dann besonders grausliches Wetter, wenn ich Ferien habe. Allerdings scheint sich da das Blatt zu wenden, denn im April gab es diesbezüglich nichts mehr zu klagen – nur gerecht wäre es doch, ab jetzt auch eitel Sonnenschein quasi im Abonnement zu erhalten!

Gabrielle Boller

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift