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Aus meiner Woche

Die Sommerliebe des Nachbarn

Jetzt, wo sich die ersten morgendlichen Nebel sachte ankündigen, ist es wieder soweit: «Man möchte die Hand ausstrecken und ihn zurückhalten.» Wen?

Den Sommer natürlich, denn auch wenn er uns gerade mit einer kleinen Hochsommer-Nachlese und einer nachfolgenden zärtlich-milden Herbstanfangsstimmung verwöhnt hat, merkt man schon, wie er sich langsam zurückziehen will. Und genau dann fällt mir immer obiges Zitat ein; es stammt aus der Verfilmung von «The Great Gatsby», der alten natürlich, jener mit Robert Redford. Da steht der Romantiker in Millionärsschale vor seinem Anwesen und streckt die Hand aus, kraftvoll zupackend, wie es sich für einen Kerl gehört, während ihn sein Nachbar aus dem Gartenhäuschen verwundert anschaut. Sie ist aber auch schön, nicht wahr, die Idee, den Sommer zurückhalten zu können – jedes Jahr versuche ich das selbst wieder. Denke, man könne sich zumindest diese Leichtigkeit, die sich in der warmen Jahreszeit einfach so automatisch einstellt, bewahren. Doch sobald man wieder Jäckchen, Pullöverchen und Schälchen benötigt, sich fragt, womit man sich sonst noch wappnen könnte gegen die kühleren Abendlüftchen, verpufft der ganze Schwung sofort, verlässlich, jedes Jahr. Den Satz von Gatsby konnte ich übrigens nirgends mehr finden, vielleicht habe ich ihn mir auch bloss eingebildet – dafür aber diesen hier: «Das Leben beginnt wieder ganz neu, wenn es frisch wird im Herbst.» Das sagt die Sommerliebe des Nachbarn, und mit seinem ganzen tröstlichen Irrwitz stimmt ja auch das irgendwie.

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