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Aus meiner Woche

Napoleon brauchte auch kaum Schlaf

Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich manchmal: Oh nein! Heute Nacht bekomme ich nur sieben Stunden Schlaf. Wie soll ich nur den nächsten Tag überstehen? Mittlerweile kann ich nur darüber lächeln – und zwar nicht müde, sondern wach, obwohl ich gestern Nachtvier Stunden am Stück auf den Beinenwar und mein Kind beruhigt habe. In der Nacht davor waren es zwei Stunden, und noch eine Nachtzuvor waren es fünf Stunden. Wahrscheinlich ist das ja nur eine Phase. Bis vor Kurzem hat meine Tochter meistens brav durchgeschlafen. Während meiner unfreiwillig wachen Phasen finde ich das immer richtig doof. Ich sage Ihnen, da gehen mir Adjektive durch den Kopf, die ich hier nicht aufzuschreibenwage. Aber am Tag danach warte ich verzweifelt auf die Müdigkeit. Ist Schlaf also tatsächlich überbewertet?

Napoleon soll ja auch nichts von zu viel Nachtruhe gehalten haben. Vielleicht sollte ich in Zukunft immer ein paar wache Stunden pro Nacht einplanen. Ich könnte Kleider nähen, Gedichte schreiben oder Romane lesen. Passenderweise habe ich erst kürzlich das neue Buch von Walter Moers über Prinzessin Insomnia begonnen. Die Adelige schläft zum Teil wochenlang überhaupt nicht. Je grösser der Schlafentzug wird, desto imposanter ihre Fähigkeiten: Sie kann auf einmal ihre Hand mit den eigenen Augen röntgen und sie kann Zwerge sehen. Hey, das kann ich auch schon. Immer wenn ich momentan nachts aufwache, werde ich von einem Zwerg geweckt.

Eva Mell

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift