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Aus meiner Woche

Wie kommt man an?

Ob ich schon angekommen sei in der neuen Stadt, fragte mich ein Bekannter eine Woche nach meinem Umzug. Die Frage war zwar so halb rhetorisch gemeint, sie hat mich aber trotzdem zum Nachdenken angeregt. Wann ist man an einem Ort angekommen und woran zeigt sich das? Klar, Strassen und ihre Namen zu kennen ist hilfreich, ebenso wie die öffentlichen Verkehrsmittel und damit die schnellsten Verbindungen. Als Recycling-Freak fühle ich mich auch angekommen, wenn ich die Entsorgungsstellen und den -kalender kenne. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt sind Haus- und Zahnarzt, Coiffeur und Sportgelegenheiten sowie andere wichtige Dienstleister meines Vertrauens. Wenn diese Dinge am Wohnort geregelt und routiniert sind, kommt mir der Ort schon viel weniger umständlich und fremd vor.

Aber ziemlich sicher braucht es zum Ankommen noch etwas mehr als organisatorisch-logistische soziale Usanzen. Vielleicht ist es ein Sicherheitsgefühl, soziales Eingebettet sein oder viele positive Erinnerungen im Zusammenhang mit einem Wohnort. Ich weiss es eigentlich nicht. Der letzte Wohnortswechsel ist mehr als 20 Jahre her und damals haben mich solche Fragen noch nicht interessiert. Jetzt aber freue ich mich darauf, täglich mit der Wünschelrute durch meine kleine Stadt zu gehen und zu spüren, ob ich schon ein wenig angekommen bin und vor allem, warum mir das so vorkommt.

Christine Schnapp

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift