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Aus meiner Woche

Voll vernetzt

Schon wieder! Ich bin auf Wohnungssuche. Es wird, so es denn vollbracht ist, der dritte Umzug sein, seit ich hier arbeite und an dieser Stelle über Zügelstress jammern kann … Aber davon mehr in ein paar Wochen. Heute soll es um einen Gedanken gehen, der mir anlässlich der Wohnungssuche gekommen ist, damit aber nicht ursächlich etwas zu tun hat. Da der Umzug in eine andere Stadt erfolgen soll als die, in der ich heute lebe, ist die Sache mit den Wohnungsbesichtigungen für mich ein bisschen kompliziert; neben Arbeit und Kindern habe ich nur selten Zeit, bei einem Termin physisch präsent zu sein. Deshalb geht mein Lebenspartner, der schon in der betreffenden Stadt wohnt, meistens alleine hin. Ich bin aber am Telefon oder durch Fotos dabei. Also virtuell. Am Ende könnte es sein, dass ich in eine Wohnung einziehe, in der ich noch nie selber gestanden bin. Das geht, weil ich dem Urteil meines Freundes vertraue.

Der Gedanke, der mir dabei gekommen ist, ist der, dass wir dank des Internets immer mehr Dinge erledigen können, ohne physisch präsent zu sein. Partner kennenlernen, Kredite abschliessen, Reisen (mit Google Street View). Alles Ereignisse, von denen die Digital Immigrants intuitiv sagen würden, das gehe doch nicht ohne physische Anwesenheit. Trotzdem geht es, mitunter mit grossem Erfolg. Ich frage mich nur, was diese Tatsache mit uns macht? Wie verändert sich unsere Wahrnehmung der Realität, wenn wir ihr einfach digital folgen können und nicht mehr hingehen müssen?

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift