Das katholische Wochenmagazin «Sonntag» gehört seit 1920 zu den wichtigsten Traditionstiteln der Schweiz.

Aus meiner Woche

Frühlingsmomente

Gepützelte Vorgärten mit Narzissen, grizzlybärhohe Palisadenzäune und Bausünden aus fast allen Dekaden des 20. und 21. Jahrhunderts – Frühling ist Agglowanderzeit. Auf den Bergen hats noch Schnee oder es ist braun und die lauschigen grünen Hügel der Voralpen sind irgendwann einfach langweilig anzuschauen. Also bleiben wir im Mittelland und durchstreifen zu Fuss Orte wie Killwangen, Spreitenbach und Dietikon. Wir spazieren von Dättwil über Fislisbach und Mägenwil nach Lenzburg oder erkunden Kleinstädte im süddeutschen Raum. Und obwohl ich diesem Text einen polemischen Einstieg verpasst habe, sind das ästhetisch mehrheitlich schöne Wanderungen.

Neben neuen und alten Bausünden sieht man auch schüchtern gewagte moderne Architektur, die gefällt, und sogar in den 80ern und 90ern war für mein Empfinden nicht alles scheusslich, was in der Schweiz gebaut wurde. Zudem sind die allermeisten Bauten, die vor 1940 errichtet wurden, sehr schön. Schade ist, dass Raumplanung in der Schweiz eine viel zu junge Disziplin ist, die noch immer ein Schattendasein führt. Oft stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn man das Mittelland neu bauen könnte: Hauptstrassen raus aus den Orten und Zersiedelung ist streng verboten. Zwingend ist für mich überdies, dass Raumplanung eine soziale Dimension hat, die dafür sorgt, dass alle Gemeinden und Quartiere sozial durchmischt sind. Heute gibt es auf die eine und andere Seite zu viele Gettos.

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Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift