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Aus meiner Woche

Die Qual der Wahl

Gegenwärtig bin ich so beliebt wie schon lange nicht mehr. Umschwärmt wie ein Honigtopf, umworben wie … Sie wissen schon. Von allen Seiten werde ich angelächelt und mit Präsenten überhäuft, ich erhalte Briefe und manch einer macht sich für mich sogar zum Deppen. Dabei geschieht das Werben um mich meist auf ansprechendem Niveau, man nimmt mich ernst und traut mir kognitiv allerlei zu. Das alles schmeichelt mir natürlich sehr. Im Alltag ist man ja sonst eher ein Rädchen, Teil des Ganzen, immer schon da und nicht speziell wahrgenommen. Deshalb tut mir diese ausserordentliche Aufmerksamkeit gut und ich werde sie die verbleibenden Tage noch geniessen. Auch wenn ich weiss, dass die Strahlenden nicht mich als Person meinen, sondern meine Stimme – und auch nicht deren lieblicher Klang, sondern ganz profan die Bürgerstimme. Im Kanton Aargau sind im Oktober Gross- und Regierungsratswahlen, und ich bin nach dem Umwerben aufgefordert, mich zu entscheiden.

Das werde ich tun, denn wenn man mir das zutraut, bin ich ja offenbar fähig dazu. Deshalb schaue ich mir genau an, wer da alles warum meine Aufmerksamkeit möchte und lege für mich Kriterien fest, die die Auszuwählenden erfüllen müssen. Das beginnt mit einem freundlichen Lächeln, wichtiger ist mir aber, dass jemand Selbstgedachtes anbietet und nicht Nachgekautes. Wer mich nach gründlicher Prüfung persönlich und intellektuell überzeugt, den wähle ich sogar zweimal aus.

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