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Aus meiner Woche

Unkraut im Schrebergarten

Die Sonne hat mich in meinen Schrebergarten getrieben. Dort staunte ich, wie der Löwenzahn zwischen den Steinplatten sein Dasein behauptete.

Und einmal mehr machte ich mich hinters Unkraut und überlegte mir dabei, dass es eigentlich unfair sei, gewisse Pflanzen dem Unkraut zuzuordnen und ihnen dadurch die Existenzberechtigung im Schrebergarten abzusprechen. Denn in diesem Punkt besteht ein Gruppenzwang: Wer Pflanzen dieser Art, ob sie nun gefallen oder nicht, wachsen lässt, hat keinen gepflegten Garten. Aber ich wollte nicht über das traurige Leben des Unkrauts in Schrebergärten schreiben.

Mein Garten ist der zweite hinter dem Eingang. Und so sehe ich die Mitglieder des Familiengartenvereins kommen und gehen. Zum Saisonbeginn wunderte ich mich erneut hinter meinem Unkraut, wie man das Schrebergartenareal betreten kann, ohne den Gartengenossen zu grüssen. Mir wurde beigebracht, zu grüssen, wenn ich irgendwo eintrete. Ja, ja, das waren noch andere Zeiten. Aber die stummen Gartengenossen sind älter als ich, vor mir geboren und vor mir erzogen. Deshalb habe ich mir angewöhnt, in einem solchen Fall besonders nett und laut zu grüssen. Die Reaktionen bleiben auch 2016 interessant. Sie lassen sich unter dem Titel «ertappt» zusammenfassen und reichen von murmeln bis schnell auftauen mit Komplimenten für den Garten.

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