Das katholische Wochenmagazin «Sonntag» gehört seit 1920 zu den wichtigsten Traditionstiteln der Schweiz.

Aus meiner Woche

Automatische Verlängerung

In Zürich sollte der Journalismus neu erfunden werden. Das war der Anspruch der neuen Informationsplattform Republik. Die Gründer, bekannte Journalisten, gingen besonders ideenreich ans Werk: Die Leser sollten keine Leser sein, sondern Verleger. «Als Medium ohne Werbung haben wir nur eine Kundin, also nur einen Chef: Sie. Sie (plus Ihre rund 22 000 Kolleginnen aus der Verlagsetage) besitzen deshalb auch 47,4 Prozent der Aktien der Republik AG.» Das Sagen hat man aber erst ab 50,1 Prozent. Das erlebt jeder Verleger, der aussteigen will. Auf gut Deutsch: der, der sein Abonnement nicht verlängern möchte.

Der Chef muss auf der Onlineplattform mühsam nach dem Exit suchen. Fündig wird der Verleger bei den Geschäftsbedingungen unter Punkt zwölf: «Verlängerung». Da steht: «Vorbehältlich einer ausdrücklichen Erklärung des Abonnenten/der Abonnentin, dass das Jahres bzw. Monatsabonnement nicht fortgesetzt werden soll, verlängert sich das Jahresabonnement automatisch und ohne weiteren Hinweis jeweils um ein weiteres Jahr.» Warum dieser faule Trick? Offenbar vertrauen die Republik Verantwortlichen ihrem wortreichen Anspruch, in allem besser zu sein als die Branche, nicht. Dennoch haben erstaunlich viele Verleger bisher den Exit gefunden.

Anton Ladner

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift