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Aus meiner Woche

Specksteinkrug voller Goldmünzen

Mitten in der Altstadt von Como steht das Teatro Cressoni. Bis 1997 diente es als Kino. Die Holzstühle waren hart, auf den Balkonen sass kein Mensch und die Toiletten waren ein Graus. Dann wurden die Gitter für immer heruntergelassen und das Gebäude sah von Jahr zu Jahr vernachlässigter aus. Planung und Bewilligungen benötigen eben in Italien viele Jahre, auch im obersten Norden, wo man gerne betont, anders als im Süden zu sein.

Nun soll das Gebäude abgerissenwerden. Bei den Vorbereitungen fanden die Bauarbeiter unter dem Fundament einen Specksteinkrug, der – wie sich später herausstellte – mit über 300 Goldmünzen gefüllt war. Es handelt sich dabei nicht um ein Versteck aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern aus dem römischen Reich. Die Münzen zeigen verschiedene römische Kaiser, darunter Flavius Honorius, Valentinian III., Leon I. und Libius Severus, der von 461 bis 465 nach Christus weströmischer Kaiser war. Die Münzen versetzten die Experten in Begeisterung, weil sie von ausgezeichneter Qualität sind, wie frisch ab Presse. Nun wird in den italienischen Medien spekuliert, wie der Krug dorthin kam. War unter dem Teatro Cressoni einmal eine Depotbank? Mehr interessiert der Wert des Fundes. Der ist aber nicht zu beziffern, weil es in Italien keine Vergleichsfunde in dieser Qualität gibt. Einige Millionen Euro dürften es aber auf jeden Fall sein. Wer einmal im Cressoni auf den harten Stühlen einen Film lang litt, kann nun Mehrwert generieren. Er sass auf altrömischem Gold.

Anton Ladner

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