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Aus meiner Woche

Erwachsen werden

«Du hast so tolle Kinder», hat kürzlich eine Freundin zu mir gesagt. «Stimmt», kann ich heute in aller Bescheidenheit sagen. Aber in den vergangenen 16 und 10 Jahren hätte ich diese Feststellung bei Weitem nicht jederzeit vorbehaltlos unterschrieben. Wenn wir unsere Kämpfe ausgetragen haben, die Noten in der Schule schlecht waren oder das Kinderzimmer ein Anblick des Grauens, dann machte ich mir schon ab und zu Gedanken darüber, ob das mit diesen Kindern gut kommt. Umso erstaunlicher ist es für mich, zusehen, wie eine kindliche oder jugendliche Macke nach der anderen verschwindet, das Zimmer aufgeräumt ist und die Hausaufgaben gemacht sind –und zwar, ohne dass ich etwas in diese Richtung gesagt hätte.
Das ist aber keines falls nur mein Verdienst; daran sind Freundinnen und Freunde, Verwandte, Lehrpersonen, Gotten und Göttis, gleichaltrige Gspöndli, Menschen, die gingen, solche, die blieben beteiligt. Den Löwenanteil daran haben aber die Kinder selbst. Vieles, was schiefgelaufen ist in ihrer Kindheit, die schwierigen Umstände oder meine zeitweilige natürliche Limitierung haben sie weggesteckt. Oder all dies hat sie stärker gemacht. Kinder haben eine unbändige Kraft und Resilienzfähigkeit. Da kann viel passieren, und sie kommen immer noch gut raus. Hätte ich das früher gewusst, ich wäre bestimmt in der einen oder anderen Situation entspannter und bescheidener gewesen.

Christine Schnapp

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift