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Aus meiner Woche

«Ich bin das Überraschungsdessert»

Am Donnerstag war Lesecafé in den zweiten Klassen unserer Schule. Wir Eltern sassen in gleich grossen Gruppen an zusammengeschobenen Schultischen, und dann kam das Menü: Als Vorspeise ein Krimi mit einem schlauen Polizisten namens Hebron, geschrieben von Hebron, als Hauptgang ein Urwaldmärchen, in dem sich Pinkelameisen zum Umweltschutz bekehren, als Dessert eine listenreiche Geschichte um ein geheimnisvolles Gaunerbaby.

An jedem Tisch war die Menüfolge eine andere, zu uns kam nach dem Dessert noch Deliah, sagte: «Ich bin das Überraschungsdessert» und las sozusagen eine zweite Riesenportion Glace vor.

Das Lesecafé war krönender Abschluss einer langen Deutschübungsstrecke: Wie schreibe ich ein Märchen, mit Anfang und Ende, Logik, rotem Faden, Überraschung und, obwohl das niemand hört beim Vorlesen, in richtiger Rechtschreibung? Auch das Vorlesen selbst hörte man beim Vorlesen nicht immer, denn vier Stimmchen mussten sich gleichzeitig im Schulzimmer behaupten, ausserdem hielten manche das Blatt vors Gesicht, waren doch selbst die wilden Kerle mit den Ratzfatz-Short-Storys furchtbar aufgeregt. Wie schön sind Kinder in solchen Situationen, alle! Und wie sehr wünscht man ihnen eine Zukunft! Die Lehrerinnen hatten Kuchen gebacken, Kaffee gekocht, Getränke besorgt, flankierend gab es eine Ausstellung mit gebastelten Jahrmarktsattraktionen, zur Begrüssung einen Zweitklässlerrap. Tolle Schule!

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