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Aus meiner Woche

Alle Akkus leer

«Heute gehst du früh ins Bett», dachte ich am Dienstagabend – «sofort, wenn der Mann von Coop die Lieferung gebracht hat!» Zwischen halb neun und halb zehn sollte das sein. Um acht klingelte das Telefon. Unsere Zehnjährige rannte hin, weil ohnehin nur sie wichtige Telefonate hat, ausserdem schreckt sie Versicherungsheinis ab. Sie lauschte, nickte, legte auf. Dann: Das war Coop. Die Lieferung käme später. 120 Minuten oder so. Ich dachte: Na, das hat sie falsch verstanden. Aber dann vergingen Stunden.

Meine Frau kam nach Hause. Ich war wütend. Die drei Franken, die schon als Trinkgeld für den Lieferanten parat lagen, gingen wieder in die Geldbörse. Der kriegt nichts! «Geh doch ins Bett», sagte meine Frau. Genau das würde ich tun, den Coop am liebsten unverrichteter Dinge davonfahren lassen. Ich ging nicht ins Bett. Kurz vor halb zwölf klingelte es. Vor uns stand ein zu Tode erschöpfter Mann, der entschuldigend zu lächeln versuchte. Er sprach mit osteuropäischem Akzent, unwillkürlich hatte ich ein Wort im Kopf: Familienvater. Als er versuchte, den elektrischen Lastenheber die Treppe hochzustemmen, dachte ich, jetzt reisst es ihn weg. Beim dritten Versuch gelang es. Die Akkus von Mann und Maschine: fast leer. Er wollte unbedingt die Wasserflaschen in den Keller tragen. Wie viele Lieferungen noch in dieser Nacht? Noch zwei. Ich rannte schnell hoch, zog einen Zehnfrankenschein aus der Geldbörse. Wenigstens das.

Andreas Nentwich

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift