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Lachtherapie

«Das Leben meistert man lächelnd oder überhaupt nicht.» Dieser Spruch stand auf dem Zettel des chinesischen Glückskeks, den ich gerade knuspernd verschlang. In der Tat ist das so, dachte ich und erinnerte mich an jene Vorlesung meines Psychologiestudiums zurück, in der uns der Professor erzählte, warum Lächeln eine der am einfachsten umsetzbaren Therapien gegen schlechte Laune ist.

Das klingt zwar banal, aber die Erklärung dafür leuchtet mir durchaus ein. Im Grunde ist ein Lächeln nichts anderes, als die Reaktion unseres Körpers auf eine positive Emotion: ein Anspannen der für ein Lachen charakteristischen Gesichtsmuskeln. Diese Verbindung zwischen dem Spüren von Freude und dem Zusammenziehen der Muskeln in den Mundwinkeln ist fest in unserem Hirn verankert. So fest, dass wir unser Gehirn auch ein wenig austricksen können, indem wir die Reihenfolge einfach umkehren. Sprich: Indem wir unsere Mundwinkel nach oben ziehen und absichtlich ein Lächeln in unser Gesicht zaubern, bringen wir unser Gehirn dazu, etwas positiver zu denken. Natürlich ist das kein Allheilmittel und Sie werden nicht gleich Aufjauchzen vor Glück, nur weil Sie Ihre Lachmuskeln anspannen. Aber trotzdem schlage ich Ihnen einen Selbstversuch vor: Wenn Sie das nächste Mal traurig oder wütend sind und nicht mehr wissen, wohin mit all dem Frust und den negativen Gefühlen, lächeln Sie – und beobachten Sie, was in Ihnen vor sich geht.

Leonie Pahud

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift