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An einer vielleicht eher unbekannten Stelle des Neuen Testaments findet sich ein Satz, der aufhorchen lässt: «Haltet den Glauben frei von jedem Ansehen der Person!» (Jak 2,1). Ist das bei Christinnen und Christen so? Wird nicht im Schatten der Kirchtürme am meisten gebuckelt und geschleimt?

Das Ansehen der Person an sich ist eine wichtige Sache. Unbedingt. Ehrfurcht vor jedem Geschöpf ist eine Grundsäule christlichen Glaubens. Jedem, wirklich jedem Menschen kommt höchste Anerkennung zu. Darum warnt der Jakobusbrief davor, Unterschiede zu machen, indem Glaubende die Menschen, die ihnen begegnen, gewissermassen in innere Schubladen einsortieren, wo es dann Wichtige und nicht so Wichtige gibt, Einflussreiche und Machtlose, Arme und Reiche, Studierte und Nicht-Studierte. Alle sind gleich, aber einige sind gleicher. Alle sind wichtig, aber einige sind wichtiger – in solchem Denken liegt eine Gefahr und davor warnt dieser Satz. Doch was kann helfen? Ganz sicher nicht eine oftmals versuchte, im Kern aber problematische Gleichmacherei.

Das wäre reichlich naiv und weltfremd, anzunehmen, dass alle Menschen einfach gleich seien. Es gibt doch tatsächlich Junge und Alte, Reiche und Arme, es gibt Starke und Schwache, Kluge und Schlichte, Fromme und Heiden und, und, und. Eine ausgesprochen bunte Mischung! Eine reiche Vielfalt! Wie töricht wäre der Versuch, Unterschiede wegzureden. Billige Gleichmacherei, lehrt die Geschichte, bringt niemanden voran. Doch umgekehrt scheint es auch unabdingbar und wichtig zu sein, sich einzugestehen, dass alles Kratzen und Schieben um Anerkennung und Prestige, dieses Hofieren und Hofiert-Werden, der Glaube, es endlich geschafft zu haben und on top zu sein, um von dort hochnäsig auf andere hinabzublicken, mindestens so erbärmlich ist wie Gleichmacherei.

«Haltet den Glauben frei vom Ansehen der Person!» Wie kann das gehen? Die Bibel gibt einen Tipp. Schlicht und einfach stellt sie fest: Keinem Menschen gab Gott alles. Und keinem gab er nichts. Das ist eine Grundüberzeugung, mit der christliches Zusammenleben (das diesen Namen verdient) steht und fällt. Keinem gab Gott alles und keinem gab er nichts. Prüfen wir das an uns selbst! – Keiner wird allen Ernstes behaupten wollen, absolut alles zu können oder frei von Schuld und Fehlern, genial und perfekt zu sein. Und umgekehrt wird niemand ehrlichen Herzens von sich annehmen müssen, überhaupt nichts zustande zu bringen oder nicht wenigstens diesen unermesslich kostbaren Schatz, Abbild Gottes zu sein, in sich zu tragen.

Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Christinnen und Christen von Korinth, dass Gott jedem Menschen irgendetwas gegeben und geschenkt habe, das zum Wohle aller einsetzbar sei. Der Apostel spricht in diesem Zusammenhang von Charismen. Wenn jeder das gibt (und gerne gibt), was er oder sie kann, und in Demut weiss, was er oder sie nicht kann, und wenn jeder von uns (frei von Neid) erkennt, was der andere kann, und in Liebe akzeptiert, was der andere nicht kann; wenn also alle nach Kräften mithelfen und alle Gaben und Fähigkeiten zusammenkommen, dann wird christliche Gemeinschaft zum attraktiven Modell gelingenden Lebens. Frei von einem oft allzu oberflächlichen Ansehen der Person.

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