Das katholische Wochenmagazin «Sonntag» gehört seit 1920 zu den wichtigsten Traditionstiteln der Schweiz.

  • Museum der Superlative

    MADRIDER PRADO-MUSEUM

    Museum der Superlative
  • Woran Fische ihre Artgenossen erkennen

    IM SCHWARM ZU HAUSE

    Woran Fische ihre Artgenossen erkennen
  • Über Trumps Einfluss auf die Juden in den USA

    ANDREW SILOW-CARROLL

    Über Trumps Einfluss auf die Juden in den USA
  • Pelz ist nicht gleich Pelz

    PELZDEKLARATIONSVERORDNUNG

    Pelz ist nicht gleich Pelz

  • Diese Woche

    Natürliche Alleskönner

    Algen machen Appetit!
    Und ausserdem: ✩ Neuer Bischof gesucht: Das Bistum Chur braucht eine Integrationsfigur mit Weitsicht ✩ Künstliche Intelligenz: Die EU plant den Einsatz eines KI-Lügendetektors ✩ Kinderspital Zürich: Illustrationen helfen den jungen Patienten, ihre Krankheit zu verstehen ✩

  • Letzte Woche

    GLÜCKLICH DANK RELIGION:

    Aktive Gläubige sind glücklicher als nicht religiöse Menschen
    Und ausserdem: ✩ Gesundheits-Wissen: Wer Bescheid weiss, weiss sich zu helfen ✩ Züri-Fondue: Ein Fertigfondue, das es in sich hat ✩ Verfälschte Kennzahlen: Die Steuertricks multinationaler Unternehmen ✩

  • Diese Woche
  • Letzte Woche

Wenn ich ein Kirchlein besuche, gehe ich gern noch über den Friedhof, lese Namen, Lebensdaten und sinne so für mich hin.

Vergangenen Sonntag, in Astano im Malcantone, las ich auf einem Riesengranit: «Rudolf Pannwitz 1881 – 1969». Süsser Schreck! Den Namen kannte ich! Mit ihm stieg der ganze Zauber einer verschrobenen Jugend vor mir auf, in der ich ausschliesslich mit Minnethemen beschäftigt war – und mit Dichtern, die sonst nur ein paar geisterhafte alte Leute kannten. Selbst in dieser Versammlung war Rudolf Pannwitz noch eine Randfigur. Seine prophetischen Sänge sind hoffnungslos unlesbar, aber sein Name, lang wie eine alte Trockenmauer, klang mir immer gut im Ohr. Als ich jetzt ein bisschen über ihn las, wusste ich wieder warum. Er war verrückt, grössenwahnsinnig, hatte ein Riesendurcheinander mit mehreren Frauen. Und er war grundanständig. In seinen Schriften entwarf er eine Welt ohne Kriege und Rassismus, mittendrin ein vereintes Europa, das er sich hocherhaben dachte, nicht als «Konsumverein». Vor den Nazi floh er nach Griechenland, irgendwann kann er ins Tessin, ein vogelartiges Männchen, halbverhungert, aber mit einem Güterwaggon voller Manuskripte, in denen er die Probleme der Welt gelöst hatte. Niemand wollte es wissen, und da ruht er nun, neben ihm die Frau, die es am längsten mit ihm aushielt, und jemand hatte eine rote Rose auf das Grab gelegt. Wenn Sie einmal nach Astano fahren, um in dem wunderschönnostalgischen «Albergo della Posta» zu wohnen, legen Sie doch auch ein Blümchen hin, unbekannterweise.

Teilen Sie diesen Beitrag

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift