Das katholische Wochenmagazin «Sonntag» gehört seit 1920 zu den wichtigsten Traditionstiteln der Schweiz.

  • Woran Fische ihre Artgenossen erkennen

    IM SCHWARM ZU HAUSE

    Woran Fische ihre Artgenossen erkennen
  • Museum der Superlative

    MADRIDER PRADO-MUSEUM

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  • Pelz ist nicht gleich Pelz

    PELZDEKLARATIONSVERORDNUNG

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  • Über Trumps Einfluss auf die Juden in den USA

    ANDREW SILOW-CARROLL

    Über Trumps Einfluss auf die Juden in den USA

  • Diese Woche

    Natürliche Alleskönner

    Algen machen Appetit!
    Und ausserdem: ✩ Neuer Bischof gesucht: Das Bistum Chur braucht eine Integrationsfigur mit Weitsicht ✩ Künstliche Intelligenz: Die EU plant den Einsatz eines KI-Lügendetektors ✩ Kinderspital Zürich: Illustrationen helfen den jungen Patienten, ihre Krankheit zu verstehen ✩

  • Letzte Woche

    GLÜCKLICH DANK RELIGION:

    Aktive Gläubige sind glücklicher als nicht religiöse Menschen
    Und ausserdem: ✩ Gesundheits-Wissen: Wer Bescheid weiss, weiss sich zu helfen ✩ Züri-Fondue: Ein Fertigfondue, das es in sich hat ✩ Verfälschte Kennzahlen: Die Steuertricks multinationaler Unternehmen ✩

  • Diese Woche
  • Letzte Woche

«Heute gehst du früh ins Bett», dachte ich am Dienstagabend – «sofort, wenn der Mann von Coop die Lieferung gebracht hat!» Zwischen halb neun und halb zehn sollte das sein. Um acht klingelte das Telefon. Unsere Zehnjährige rannte hin, weil ohnehin nur sie wichtige Telefonate hat, ausserdem schreckt sie Versicherungsheinis ab. Sie lauschte, nickte, legte auf. Dann: Das war Coop. Die Lieferung käme später. 120 Minuten oder so. Ich dachte: Na, das hat sie falsch verstanden. Aber dann vergingen Stunden.

Meine Frau kam nach Hause. Ich war wütend. Die drei Franken, die schon als Trinkgeld für den Lieferanten parat lagen, gingen wieder in die Geldbörse. Der kriegt nichts! «Geh doch ins Bett», sagte meine Frau. Genau das würde ich tun, den Coop am liebsten unverrichteter Dinge davonfahren lassen. Ich ging nicht ins Bett. Kurz vor halb zwölf klingelte es. Vor uns stand ein zu Tode erschöpfter Mann, der entschuldigend zu lächeln versuchte. Er sprach mit osteuropäischem Akzent, unwillkürlich hatte ich ein Wort im Kopf: Familienvater. Als er versuchte, den elektrischen Lastenheber die Treppe hochzustemmen, dachte ich, jetzt reisst es ihn weg. Beim dritten Versuch gelang es. Die Akkus von Mann und Maschine: fast leer. Er wollte unbedingt die Wasserflaschen in den Keller tragen. Wie viele Lieferungen noch in dieser Nacht? Noch zwei. Ich rannte schnell hoch, zog einen Zehnfrankenschein aus der Geldbörse. Wenigstens das.

Andreas Nentwich

Sonntag - die christliche Wochenzeitschrift